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Norris belastet Microsoft erneut schwer

28.05.1999
Antitrust-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der IBM-Manager Gary Norris stellte sich gestern im Vorfeld der Wiederaufnahme des Kartellverfahrens gegen Microsoft drei Stunden lang den Fragen der Gates-Anwälte. Norris ist einer von drei nachträglich benannten Zeugen der Anklage. Der IBM-Mann, der Mitte der 90er Jahre für Big Blue die Lizenzverhandlungen mit Microsoft geführt hatte, schilderte detailliert die Rivalitäten beider Hersteller, die vor allem auf den historischen Wettbewerb der Betriebssysteme Windows und OS/2 zurückzuführen waren. Bekanntlich hatten die beiden Hersteller OS/2 zunächst gemeinsam entwickelt, bevor sie sich zerstritten und anschließend mit eigenen Produkten getrennte Wege gingen. Microsoft, so Norris, habe die IBM erheblich benachteiligt, nachdem diese nicht bereit war, das hauseigene Betriebssystem zugunsten von Windows fallenzulassen. Unter anderem habe Microsoft die Lizenzgebühren für Windows drastisch erhöht (von neun Dollar in 1995 auf 46 Dollar ein Jahr später), wichtige Tests verzögert und Änderungen an Screen-Design und Hardware erzwungen. "So lange Ihr Konkurrenzprodukte mitliefert, werdet Ihr leiden", habe ihm Microsoft damals gedroht, so Norris. Das vom US-Justizministerium und 19 Bundesstaaten gegen den Softwareriesen angestrengte Kartellverfahren wird am Dienstag kommender Woche nach mehrmonatiger Pause fortgesetzt.