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Nokia greift nach der Mehrheit an Symbian

09.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der finnische Mobilfunkkonzern Nokia will die Anteile der britischen Psion Plc. an Symbian übernehmen, einem von führenden Handyherstellern gegründeten Konsortium zur Entwicklung von Smartphone-Betriebssystemen.

Nokia zahlt zunächst 93,5 Millionen britische Pfund (umgerechnet 137,1 Millionen Euro) als fixe Komponente des Kaufpreises, dazu kommen noch 0,84 Pfund (1,23 Euro) für jedes in den Jahren 2004 und 2005 mit Symbian OS verkaufte Endgerät. Nokias Anteil an Symbian stiege nach Abschluss der Transaktion, der die Kartellbehörden sowie die Aktionäre von Psion noch zustimmen müssen, von gegenwärtig 32,2 auf dann rund 63,3 Prozent.

Nokia erklärte, die Kaufentscheidung basiere auf dem Vertrauen des Unternehmens in das Symbian OS als Kern-Plattformtechnik für hoch entwickelte mobile Geräte. "Es ist von entscheidender Bedeutung, Symbians langfristigen Markterfolg zu stützen, um einen gesunden Wettbewerb im Betriebssystemmarkt zu erhalten und Innovation über die Wertschöpfungskette hinweg anzuregen", sagte Chief Technology Office Pertti Korhonen.

Mit einer Mehrheit von Nokia an Symbian bestünde theoretisch die Gefahr, dass die Finnen das Smartphone-Betriebssystem für ihre eigenen Interessen maßschneidern. Dem trat Korhonen indirekt entgegen. "Das Symbian OS hat seine Flexbilität als Betriebssystemplattform für die steigenden Ansprüche der Industrie unter Beweis gestellt", so der Technikchef weiter. "Gute Beispiele dafür sind die Softwareplattform UIQ, die Series 60 Platform, die FOMA-Benutzerschnittstelle und eine Reihe herstellerspezifischer Implementierungen, die allesamt auf der Symbian-Plattform aufsetzen. Diese Flexibilität hat eine große Vielfalt von Geräten hervorgebracht, über die sowohl Handset-Hersteller wie Netzbetreiber ihre Angebote differenzieren können."

Neben den Wettbewerbshütern und Psion-Aktionären haben noch andere Symbian-Aktionäre anteilsmäßig Vorkaufsrechte, um an dem Verkauf der Psion-Anteil zu partizipieren. Nokia erwartet, dass der Verkauf im Laufe der kommenden Monate abgeschlossen wird. Psion teilte zeitgleich mit, es werde seinen Symbian-Anteil an Nokia abtreten und sich auf sein Kerngeschäft der Teklogix-Sparte konzentrieren. Seine Softwaretochter hatte der frühere Handheld-Pionier bereits kürzlich an die US-Firma Visto veräußert (Computerwoche.de berichtete).

Symbian wurde im Juni 1998 von zunächst Ericsson, Nokia, Motorola und Psion gegründet. Derzeit befindet sich die Firma im Besitz von Nokia (32,2 Prozent), Psion (31,1 Prozent), Ericsson (17,5 Prozent), Panasonic (7,9 Prozent), Samsung (fünf Prozent), Siemens (4,8 Prozent) sowie Sony Ericsson (1,5 Prozent). Praktisch alle wichtigen Handyanbieter am Markt haben das Symbian OS in Lizenz genommen, dessen aktuelle Version 7.0 auf dem 3GSM World Congress im Jahr 2002 vorgestellt wurde. Konkurrenten im Markt für Smartphone-Betriebssystem sind - mit bislang mäßigem Erfolg - Palmsource und Microsoft. (tc)