Metaverse

Nicht schon wieder ein Second Life!

Kommentar  11.02.2022
Von 
Oliver Andrew ist ein freiberuflicher Autor und Softwareentwickler mit einer langen Geschichte in den Bereichen Open Source, Datenbanken und Cloud Computing.
Wir können von Glück sagen, dass wir nicht im Metaverse leben müssen. Woher ich das wissen will? Ganz einfach – das hatten wir alles schon einmal, und es hat nicht funktioniert. Ein Meinungsbeitrag.
Das Metaverse ist auch nichts anderes als Second Life mit VR-Zusatz - meint unser Autor.
Das Metaverse ist auch nichts anderes als Second Life mit VR-Zusatz - meint unser Autor.
Foto: mckaya - shutterstock.com

Mit der Umbenennung von Facebook zu Meta und dem Fokus auf das Metaverse setzt Mark Zuckerberg seine Versuche fort, sein Unternehmen relevant zu halten und außerhalb der Schlagweite von Google und Apple neu zu positionieren. Unterdessen wächst weltweit das Unbehagen darüber, wie der Konzern mit den Daten seiner Nutzer umgeht und mit seiner Macht, Meinungen zu erlauben - oder auch nicht. Im Zuge der Ausrichtung auf das Metaverse wird nun auch erwartet, dass sich die bereits 2014 getätigte Übernahme von Oculus, Hersteller von Virtual-Reality-Headsets, endlich auch auszahlen wird.

Second Second Life?

Nicht wenige Menschen haben mit Skepsis und Spott auf Zuckerbergs virtuellen Ausflug ins Metaverse reagiert, der ihn beim Kartenspielen mit einem Roboterfreund zeigt. Nebenbei bemerkt sind die meisten meiner Facebook-Freunde ebenfalls Roboter. Was aber halten Geschäftsleute vom Metaverse?

"Wenn ich tatsächlich zu einem virtuellen Support-Schalter gehen und dort einen virtuellen Mitarbeiter treffen könnte, der dann jemanden im Unternehmen mit den richtigen Fähigkeiten findet, um mir weiterzuhelfen, könnte das von großem Wert sein", kommentiert ein Manager.

"Ich habe wirklich das Gefühl, dass hier etwas Großes entsteht. Vielleicht ist es nur eine kurzlebige Modeerscheinung, aber es scheint, dass sich die Produktivität durch virtuelle Geschäftswelten enorm steigern lässt", sagt ein Vordenker. Sogar IBM hat angekündigt, 100 Millionen Dollar zu investieren, um neue Geschäftsmodelle in der virtuellen Welt zu erforschen. Im IBM-Jahresbericht heißt es: "Es hat sich ein neues Computermodell herausgebildet, das den PC-basierten Client/Server-Ansatz ablöst. Es ist vernetzt, modular und offen. Es markiert eine grundlegende Veränderung der technologischen Anforderungen der Kunden."

Moment - mein Fehler! Diese Zitate stammen aus dem Jahr 2008 und beziehen sich auf Second Life. Das erste Zitat stammt vom ehemaligen Nortel-CTO Phil Edholm und der Vordenker war Rich Tehrani. Second Life ist eine (immer noch existierende) virtuelle Welt, die uns eine neue digitale Existenz ermöglichen sollte. Quasi eine Art erwachsenes Minecraft. Wir alle sollen virtuelle Güter konsumieren. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, was mit den 100 Millionen Dollar von IBM passiert ist - aber ich wette, auch Sie haben genauso wie ich kein Second Life-Konto.

Mit dem Metaverse verhält es sich wie mit vielen anderen Hypes: Im Jahr 2010 sollten wir alle 3D-Fernseher kaufen, ab 2016 wurden sie dann schon nicht mehr hergestellt. 2013 sollten wir Augmented Reality mit Google Glass erleben. Wir alle wissen, wie das endete. Und hören Sie mir bloß auf mit NFTs: Was könnte weniger nützlich und noch betrügerischer sein?

Fazit: Ich will nicht im Metaverse leben. Ich möchte echte Dinge tun. Das Metaverse wird meiner Meinung nach nicht das nächste große Ding. Niemand will eine Brille tragen, dabei dumm aussehen und ein langweiliges Videospiel ohne Ziel spielen.

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Infoworld.