Collaboration-Trend

Nicht nur Büroarbeiter profitieren von der Digitalisierung

12.02.2019
Von    und Boris Ovcak


Eric Schott ist Mitgründer und Geschäftsführer bei Campana & Schott. Er besitzt über 20 Jahre Erfahrung in der Projektmanagement-Beratung. Seine Schwerpunkte umfassen strategisches Projekt- und Portfoliomanagement sowie neue Formen der Zusammenarbeit mit besonderem Fokus auf Social Collaboration. Schott will aufzeigen, welche Anforderungen Unternehmen hinsichtlich der neuen Formen der Zusammenarbeit erfüllen müssen und wie dies zu realisieren ist, um die digitalen Transformation zu meistern.
Bislang profitieren meist nur Information Worker von den Vorteilen der Digitalisierung. Collaboration-Tools können ihren Beitrag dazu leisten, dass auch sogenannte Firstline Worker, also etwa Produktionsmitarbeiter, davon profitieren.

Viele Büromitarbeiter, also Information Worker, nutzen Collaboration-Lösungen für die Suche nach Informationen oder Experten, Chats und Videotelefonie oder den Austausch von Dokumenten - unabhängig vom Aufenthaltsort. Die Basis dafür bilden IT-Geräte - vom PC über Laptop und Tablet bis hin zum Smartphone.

Firstline Worker, wie Airline-Piloten, schleppen nicht mehr bergeweise Papier mit in ihr Cockpit. Alle nötigen Informationen kann die Crew heute über mobile Geräte abrufen.
Firstline Worker, wie Airline-Piloten, schleppen nicht mehr bergeweise Papier mit in ihr Cockpit. Alle nötigen Informationen kann die Crew heute über mobile Geräte abrufen.
Foto: William Perugini - shutterstock.com

Firstline Worker, also Mitarbeiter in der Produktion oder im direkten Kundenkontakt, blieben bislang meist außen vor, da Arbeitgeber ihnen am Arbeitsplatz keine Hardware bereitstellten. Die Zusammenarbeit und Absprachen funktionieren größtenteils papierbasiert, telefonisch oder im direkten Gespräch.

An der Schnittstelle zum Kunden

Firstline Worker bilden weltweit mit über 60 Prozent den größten Teil der Belegschaft. Dazu gehören beispielsweise Mitarbeiter an der Fertigungsstraße von Automobilherstellern, das Pflegepersonal in Kliniken, Sicherheitsmitarbeiter im Fußballstadion, Reinigungskräfte und Fahrer, aber auch das Kassen- und Verkaufspersonal im Geschäft oder das Kabinenpersonal im Flugzeug.

Bislang sind sie größtenteils von Kommunikations-, Kollaborations- und ERP-Systemen abgeschnitten. Doch dies ändert sich gerade. Mobile Endgeräte sind zu geringen Kosten verfügbar, die Nutzung privater Smartphones am Arbeitsplatz (BYOD) ist eine Option und über Cloud-Software lassen sich die Firmen-Anwendungen sicher einbinden. Das fördert nicht nur die Zusammenarbeit über alle Bereiche, sondern auch die Verbreitung einer gemeinsamen Unternehmenskultur.

Unternehmen profitieren davon gleich mehrfach, durch:

  • Optimierung und Kostensenkung durch Digitalisierung analoger Prozesse;

  • Steigerung der Produktivität;

  • Effizienteres Management gerade der externen oder freien Mitarbeiter;

  • Erhöhung der IT-Security (keine Schatten-IT wie WhatsApp-Gruppen o.ä.);

  • Verringerung der Fluktuation.

Musste zum Beispiel das Kabinenpersonal einer Airline früher pro Flug rund 40 Kilogramm an Papier in das Flugzeug mitnehmen, stehen ihm heute alle wichtigen Informationen über Tablets zur Verfügung. Das erleichtert nicht nur die Bedienung und ermöglicht einen besseren Kundenservice, sondern reduziert auch das Gewicht im Flugzeug.

Schichtmitarbeiter profitieren von flexibleren Zeitplänen. So können sie bereits am Vorabend zu Hause ihre Aufgaben für den nächsten Tag einsehen und im Notfall untereinander Schichten tauschen.
Verkaufsmitarbeiter rufen im Laden Zusatzinformationen zum Produkt ab oder informieren sich über aktuelle Servicefälle und bisherige Käufe des Kunden. So können sie gezielter auf die Kundenwünsche eingehen.
Der Einsatzleiter eines Veranstaltungsservice muss nicht mehr einzelne Mitarbeiter anrufen und fragen, wer am nächsten Wochenende Zeit hat. Stattdessen melden sich die verfügbaren Kollegen über das zentrale Planungstool.

Auch Sicherheitskräfte und Reinigungspersonal lassen sich ereignisbezogen einsetzen - das heißt, sie arbeiten genau dort, wo gerade der größte Andrang herrscht oder eine Verunreinigung gemeldet wurde.