Podcast Gaia-X

Nicht alles in die US-Clouds geben

13.07.2021
Von Computerwoche Redaktion
Mit Gaia-X will die europäische Wirtschaft ihren eigenen Datenraum schaffen und die Abhängigkeit von den US-Hyperscalern reduzieren. Erfahren Sie im „IDG TechTalk“, was die Macher antreibt.
Mit Gaia-X soll eine übergreifende Dateninfrastruktur für die europäische Wirtschaft aufgebaut werden.
Mit Gaia-X soll eine übergreifende Dateninfrastruktur für die europäische Wirtschaft aufgebaut werden.
Foto: donfiore - shutterstock.com

Die von der deutschen Industrie stark unterstützte Gaia-X-Bewegung möchte all jenen, die nicht einfach alle Daten einer Amazon-, Microsoft oder Alibaba-Cloud anvertrauen möchten, eine sichere, offene Plattform bieten, um dort Daten zu hosten, gemeinsam zu nutzen und kollaborativ digitale Innovationen zu schaffen. Wichtig dabei ist die volle Souveränität der Teilnehmer: Was mit den Daten geschehen soll, entscheidet allein ihr Besitzer.

Wir hatten im Podcast IDG TechTalk Gelegenheit zu einem Gespräch mit zwei der deutschen Protagonisten der Gaia-X-Initiative: Harald Summa ist Geschäftsführer eines der weltweit größten Internet-Knotens, des DE-CIX in Frankfurt am Main und zugleich Hauptgeschäftsführer des eco - Verband der Internet-Wirtschaft e.V.. Malte Pollmann ist Chief Strategy Officer und Vorstand bei UTIMACO, einem Spezialisten für Cybersicherheits- und Compliance-Lösungen. Obwohl es mit Gaia-X aufgrund der vielen europäischen Teilnehmer nur langsam vorangeht, haben Summa und Pollmann das Vertrauen, dass es gelingen wird, eine übergreifende Dateninfrastruktur für die europäische Wirtschaft aufzubauen:

Gaia-X heißt: Viele kleine Clouds im Verbund

"In Europa ticken die Uhren anders", sagt Summa, "wir haben hier viele Länder mit ganz eigenen Interessen." Die Informationsverarbeitung aufgrund dieser Vielfalt bereits in gewisser Weise föderiert. Es gehe also nicht darum, "die eine große Europa-Cloud zu schaffen", die mit den Hyperscalern konkurriere. "Wir bauen lieber ein System, das viele verschiedene kleinere Clouds für unterschiedliche Anwendungszwecke zusammenführt. Eine Verbund aus vielen kleinen Teilen."

Pollmann ergänzt: "Souveränität heißt, dass ich genau kontrollieren kann, mit wem ich meine Daten teile und dabei jeden unerwünschten Effekt ausschließe. Ich kann zum Beispiel Daten verschlüsseln und das Management der Schlüssel sehr genau kontrollieren." So sei ausgeschlossen, dass Daten in Hand Dritter gerieten. Wie Summa berichtet, wird im Rahmen von Gaia-X auch darüber nachgedacht, wie Anwender die Wege, auf denen Daten verteilt werden, also die Netze, ebenfalls souverän kontrollieren können.

Malte Pollmann (l.) und Harald Summa sind überzeugt von der Gaia-X-Idee eines gemeinsamen europäischen Datenraums.
Malte Pollmann (l.) und Harald Summa sind überzeugt von der Gaia-X-Idee eines gemeinsamen europäischen Datenraums.
Foto: Utimaco und DE-CIX

Gaia-X fördere den Multi-Cloud-Gedanken und unterstütze eine einfache Steuerung, damit gemeinsame Innovationen unter Branchenpartnern etwa im Bereich der Produktion oder der Supply Chain vorangetrieben und dabei das geistige Eigentum geschützt werden könne. Bereits mehr als 450 Köpfe arbeiteten an diesen Themen, Politik und Wirtschaft seien gewillt, das Projekt zum Erfolg zu führen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Podcast. (hv)