"Essen bis der Arzt kommt"

Neulich bei...Google

09.07.2009
Von 


Sascha Alexander ist seit vielen Jahren als Redakteur, Fachautor, Pressesprecher und Experte für Content-Strategien im Markt für Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics tätig. Stationen waren unter anderem das Marktforschungs- und Beratungshaus BARC, die "Computerwoche" sowie das von ihm gegründete Portal und Magazin für Finanzvorstände CFOWORLD. Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Google ist für Europas Informatikstudenten der Traumarbeitgeber. Wir waren zu Besuch im Googleplex und haben versucht, hinter die Kulissen zu schauen.

Auf unserer Tour durchs Silicon Valley durfte ein Besuch bei Google und dessen Zentrale Googleplex in Mountain View nicht fehlen. Angesichts der vielen euphorischen Blog-Berichte über die Annehmlichkeiten und Besonderheiten des Firmenkomplexes, waren die Erwartungen natürlich hoch, vielleicht zu hoch. So wurden wir schon beim Empfang durch einen Pressereferenten darauf hingewiesen, dass wir im Innern praktisch nichts, und wenn doch dann am besten nur mit Erlaubnis fotografieren dürften. Schon komisch, bedenkt man die zahllosen Bilder, die über Googleplex im Web kursieren.

Ebenso gab man sich zu allen Fragen wortkarg oder blieb vage: “Wieviele Menschen arbeiten denn hier?” - Antwort: “Tausende”. Wir fühlten uns daher schnell wie Touristen auf der Durchreise, an denen man bei Google wenig Interesse hatte. Auch so manche Highlights waren weniger spektakulär als gedacht. So die oft gepriesenen Tafeln, auf denen angeblich jeder seine Gedankenblitze veröffentlichen kann. Tatsächlich sah ich nur zwei Tafeln, eine mit Bildchen, wie man sie auch an “öffentlichen Orten” finden könnte, und eine andere mit ein paar Skizzen und Zeichnungen, die aber sofort als geheim eingestuft und nicht zu fotografieren war.

Essen bis der Arzt kommt

Die vielen Küchenzeilen in den Stockwerken und die kostenlosen Futterstationen sind eigentlich auch nicht ungewöhnlich in US-Unternehmen. Etwas Besonderes ist hingegen wirklich die große Kantine mit ihrer phantastischen Auswahl und Qualität. Zudem kann man so oft hingehen, wie man will, und alle Speisen und Getränke sind kostenlos.

Ein Schlarraffenland für lau: In Googles Cafeteria und Kantine bezahlen die Mitarbeiter nichts.
Ein Schlarraffenland für lau: In Googles Cafeteria und Kantine bezahlen die Mitarbeiter nichts.

Natürlich durften auch die Billardtische, Tischkicker, Lego-Ecken, das Fittnesscenter, die Wäscherei, der Frisör, das Volleyballfeld im Hof sowie das witzige Mini-Schwimmbad mit Gegenstromanlage bei einem Rundgang nicht fehlen. Dazu die vorweigend jungen Leute und die weitläufige Anlage: Kein Wunder, dass Googleplex auf die meisten wie ein Universitätscampus wirkt. Für begabte Studienabgänger aus aller Welt samt den Absolventen aus Berkley und Stanford muss dies alles wie eine coole Fortsetzung ihres bisherigen Lebens plus Freizeitpark vorkommen. Allerdings sind viele Dienste nicht kostenlos, wie die Debatte um die teure Kindertagesstätte Kinderplex zeigte.