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Neues von Sun Microsystems

05.12.2000
Bei Sun tut sich was: Die McNealy-Company hat zwei kleinere Softwareschmieden geschluckt, schlägt mit zwei APIs eine Brücke zwischen Java und XML und stellt heute ihre neue Cluster-Lösung vor.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bei Sun Microsystems tut sich was: Die McNealy-Company hat zwei kleinere Softwareschmieden geschluckt, schlägt mit zwei APIs eine Brücke zwischen Java und XML und stellt heute ihre neue Cluster-Lösung vor.

Zunächst zu den Akquisitionen: Im Rahmen eines Aktientauschs mit einem Volumen von 400 Millionen Dollar übernimmt Sun den auf Storage-Management-Software spezialisierten Anbieter Highground Systems Inc. aus Marlborough im US-Bundesstaat Massachusetts. Der Deal soll zum Ende des ersten Quartals 2001 abgeschlossen sein. Highground wird in den Unternehmensbereich Network Storage eingegliedert und untersteht damit Executive Vice President Janpieter Scheerder. Die Lösungen des Anbieters sollen Suns Backend-Portfolio und das "Neteffect"-Programm stärken. Sun betrachtet Highground einer Pressemitteilung zufolge als eine Art "Bindeglied" für die Arbeit an verschiedenen Storage-Projekten.

Interessanterweise hat Compaq, sonst eher dem Wintel-Lager zuzurechnen, bereits seine Kooperation angeboten. Der texanische IT-Riese möchte gemeinsam mit Sun und Highground die SAN-Standardisierung (Storage Area Networks) vorantreiben und die Interoperabilität seiner Produkte mit denen von Highground/Sun sicher stellen. Compaq hatte im Dezember vergangenen Jahres selbst eine strategische Minderheitsbeteiligung an Highground erworben.

Eher dem iPlanet-Joint-Venture mit der AOL-Tochter Netscape zugute kommt die zweite Übernahme. Mit Grapevine Technologies (deren URL www.grapevine.com bereits auf iPlanet umleitet) erwirbt Sun - finanzielle Details wurden übrigens nicht veröffentlicht - den seiner Ansicht nach führenden Anbieter von "Collaborative Knowledge Management Software". Dahinter verbirgt sich vor allem die Fähigkeit, interne und externe Websites zu durchsuchen und zu indexieren. Die entsprechende Technologie wird in den "Portal Server" von iPlanet übernommen, und zwar für den Anwender kostenlos.

Weitere Grapevine-Features müssen allerdings als "Personalized Knowledge Services" zum Portal Server zugekauft werden. Nutzer können damit ihre Inhalte individuell kategorisieren, Abfragen personalisieren und anschließend beispielsweise mit Kollegen Dokumente hinsichtlich ihres Nutzwertes vergleichen. Das Personalisierungs-Zusatzpaket soll im ersten Quartal kommenden Jahres auf den Markt kommen.

Java goes XML

Gestern hat Sun zwei APIs (Application Programming Interfaces = Programmierschnittstellen) veröffentlicht, die Java mit der zunehmend populären Extensible Markup Language (XML) verknüpfen. Es handelt sich dabei um so genannte Early-Access-Versionen, deren Entwicklung noch nicht endgültig abgeschlossen ist.

Die "Java API for XML Messaging" (JAXM) ermöglicht Packaging, Routing und Transport von XML- und anderen Message-Typen über die Standardprotokolle HTTP (Hypertext Transfer Protocol), SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) und FTP (File Transfer Protocol). Kommende JAXM-Versionen sollen weitere Messaging-Methoden unterstützen, wie sie beispielsweise gegenwärtig von der ebXML-Initiative (Electronic Business XML) oder im Rahmen des UN/CEFACT-Projekts der Vereinten Nationen als potenzielle EDI-Nachfolger entwickelt werden.

Die "Java API for XML Parsing" (JAXP) ermöglicht es Java-Anwendungen, XML-Dokumente zu erzeugen, zu lesen und zu bearbeiten. Die vorläufige Version unterstützt eine Reihe von XML-Standards, darunter das kürzlich veröffentlichte Document Object Model (DOM) 2. Die endgültige JAXP-Version soll laut Sun im ersten Quartal kommenden Jahres fertig werden. JAXM und JAXP werden dann gemeinsam mit der noch nicht veröffentlichten "Java API for XML Data Binding" (JAXB) den Kern der XML-Unterstützung in Java 2 bilden.

JAXB wird dabei für das Mapping (Abbilden) von XML-Dokumenten auf Java-Objekten zuständig sein. Es soll unter anderem einen Compiler enthalten, der XML-Schemata automatisch (inklusive Debugging und Validierung) in Java-Klassen verwandelt. Auch JAXB soll im ersten Quartal kommenden Jahres erscheinen.

Cluster-Technik: Endlich Vollmond

Heute schließlich werden Chief Operating Officer (COO) Ed Zander und Co. nach mittlerweile fünfjähriger Entwicklungszeit den längst überfälligen "SunCluster 3.0" (Codename: "Full Moon") samt "Sun Management Center 3.0" vorstellen. Diese Software soll die Leistungsfähigkeit der "Starfire"-Server ("Ultra Enterprise 10.000") für die Übergangszeit bis zum Erscheinen der kommenden "Serengeti"-Server - vermutlich Mitte kommenden Jahres - hochschrauben.

Anders als der vor zwei Jahren erschienene "SunCluster 2.0", mit dem sich nur vier Server kombinieren ließen, erlaubt Full Moon Verbünde aus bis zu acht 128-Wege-Servern unter dem Betriebssystem Solaris 8. Sun selbst bietet zwar überhaupt keine Maschinen mit 128 CPUs an, aber seine Partner Fujitsu und Siemens tun dies. Wie auch immer, Experten gehen davon aus, dass zwischen 40 und 50 Prozent der theoretischen Leistung eines Acht-Knoten-Clusters (sei er aus 64- oder 128-Wege-Servern zusammengesetzt) als Overhead verloren gehen. Trotzdem ist das Resultat ein beeindruckend mächtiges System mit - hoffentlich - einem Single System Image.

Die Konkurrenz hält indes Sun trotz Full Moon für einen Cluster-Nachzügler. Hewlett-Packard beispielsweise lästert, Sun habe nur deswegen so lange auf hochleistungsfähige Standalone-Server gesetzt, weil die McNealy-Company das Clustering einfach nicht auf die Reihe bekommen habe. Grund für das nun verstärkte Engagement von Sun seien die Speicherprobleme und daraus resultierenden Systemausfälle der Starfire-Monstren. IBM prahlt damit, man clustere schon seit 1993 und könne mit 32 Maschinen schon deutlich mehr zu einem Verbund zusammenschließen als Sun mit seinen gerade mal acht (HPs Software verknüpft bis zu 16 Server).