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Neuer Thiel-Chef will Konzern radikal sanieren

08.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der neue Vorstandschef der Luxemburger Thiel Logistik AG, Klaus Eierhoff, will den angeschlagenen Konzern mit einer Radikalkur auf Vordermann bringen. Mit Hilfe einer drastische Verschlankung soll der Logistikdienstleister bereits im nächsten Jahr wieder die operative Gewinnzone erreichen.

Künftig werde sich das Unternehmen auf zwei Geschäftsfelder beschränken, kündigte Eierhoff in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" an. Alle anderen Aktivitäten sollen veräußert oder geschlossen werden. Thiel werde sich dabei von etwa 500 bis 1000 seiner Mitarbeiter trennen, erklärte der ehemalige Bertelsmann- und Karstadt-Vorstand. Insgesamt beschäftigt das Logistikunternehmen weltweit rund 11.000 Menschen.

Thiel werde sich fortan auf regionale Logistikangebote und branchenspezifische Dienstleistungen konzentrieren, so der neue Konzernchef. Der einstige Hoffnungsträger Healthcare werde dagegen auf den Prüfstand gestellt. "Sollte es dem Unternehmen nicht gelingen, hier profitabel zu wachsen, wird die Beteiligung eingestellt", erklärte der Topmanager. Gegenwärtig sei die Sparte Healtcare mit 20 Millionen Euro Jahresumsatz von der gewünschten Zielordnung von 200 Millionen Euro weit entfernt, sagte Eierhoff.

Der Firmenchef will den Verschlankungsprozess bis Ende dieses Jahres abschließen, die Verkäufe sollen dabei einen mittleren Millionenbetrag in die Thiel-Kasse spülen, berichtet das Wirtschaftsblatt. Durch die Maßnahmen werde der Gesamtumsatz um bis zu zehn Prozent schrumpfen, die Profitabilität soll dagegen steigen. So peilt Eierhoff für das Jahr 2005 eine Umsatzrendite von drei bis vier Prozent an.

Thiel Logistik hatte im vergangenen Jahr mit einem EBIT-Gewinn von 1,6 Millionen das Ergebnisziel von 25 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern deutlich verfehlt. Im ersten Quartal 2003 rutschte das Unternehmen dann operativ in die roten Zahlen und gab die für das Gesamtjahr gesteckten Ziele auf (Computerwoche online berichtete). Bereits zuvor hatte der bisherige Vorstandschef und Firmengründer Günther Thiel wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die Führung des Konzerns" das Unternehmen Mitte März verlassen. (mb)