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Neuer Schnitzer: Google hat Registrierung von Gmail verschlafen

16.08.2004

Wer angesichts der bisherigen Pannenserie bei Googles Börsengang Zweifel an der Professionalität des Unternehmens hegt, wird durch folgende Nachricht in diesem Verdacht weiter verstärkt: Wie der US-Nachrichtendienst "InternetNews" berichtete, hat der Suchmaschinenbetreiber den E-Mail-Service "Gmail" zwar bereits am 1. April 2004 mit Pauken und Trompeten angekündigt (Computerwoche.de berichtete), die Registrierung der Marke jedoch erst sechs Tage später vorgenommen. Als Resultat müssen sich die Kalifornier nun schlimmstenfalls einen anderen Namen für ihr neues Produkt suchen - oder die Markenrechte für teures Geld erwerben. So haben drei andere Parteien bereits zwischen dem 30. März und dem 7. April beim US-Patent- und Markenamt die Namensrechte für Gmail beantragt und könnten daher einen vorrangigen Anspruch

haben. Wie Google in seinem Börsenprospekt darlegt, sind Begriffe wie AdSense, AdWords, Blogger oder Froogle ebenfalls noch nicht als Marke registriert. Eine CW-Recherche im Online-Suchsystem des US-Markenamts ergab, dass die Chancen des Unternehmens in diesen Fällen deutlich besser stehen.

Unabhängig davon wird Google nach Ablauf des Börsengangs voraussichtlich ausreichend Geld zur Verfügung stehen, um für Fehler dieser Art Lehrgeld zu zahlen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, liegen bei der am vergangenen Freitag begonnenen Auktion die meisten Gebote im Rahmen der vorläufigen Preisspanne von 108 bis 135 Dollar, einige sogar darüber. Genaue Angaben über Anzahl und Höhe der Offerten machten die beiden führenden Konsortialbanken Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston (CSFB) allerdings nicht. Informierte Kreise gehen davon aus, dass der endgültige Ausgabepreis am Mittwoch festgelegt und die Aktien ab Donnerstag an der Börse gehandelt werden.

Nach einer Serie von Pannen war es bis zuletzt unsicher gewesen, ob die Auktion stattfindet. So brachte ein am vergangenen Freitag veröffentlichtes Interview der beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin mit dem US-Magazin "Playboy" beinahe den gesamten Zeitplan für das Going Public in Gefahr (Computerwoche.de berichtete). Die US-Börsenaufsicht SEC entschied jedoch, dass die beiden Firmengründer mit ihren Aussagen vermutlich nicht gegen die verordnete Schweigefrist ("Quiet Period") vor einem Börsengang verstoßen haben und ließ das Bieterverfahren anlaufen. (mb)