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Neuer pServer von IBM soll Suns Littleneck Konkurrenz machen

13.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit einem neuen "Colt"-Modell der eServer "pSeries" tritt IBM verstärkt gegen Sun und vor allem dessen "Sunfire 280R" ("Littleneck") an. Der pServer 610 verfügt in der neuen Konfiguration über einen integrierten RAID-5-Platten-Controller und soll weniger Strom verbrauchen und Abwärme produzieren als das Konkurrenzmodell von Sun. Außerdem sei er erheblich billiger - hier hatten die Marketing-Strategen allerdings eine eigenartige Rechnung vollzogen.

Zunächst zur Hardware: Der neue IBM-Server lässt sich mit zwei Power3-CPUs bestücken - wahlweise mit 375 Taktfrequenz und 4 MB Level-2-Cache oder 450 Megahertz und 8 MB L2-Cache. Die Rackmount-Version belegt 5U, eine Tower-Ausführung ist ebenfalls zu haben. Der Hauptspeicher lässt mit maximal 8 GB bestücken, zwei 10/100-Ethernet-Anschlüsse sind an Bord. Für Erweiterungen stehen fünf PCI-Slots zur Verfügung, bei Verwendung von 36-GB-Platten fasst die Maschine maximal 291 GB internen Massenspeicher.

Suns Littleneck ist mit einem oder zwei Ultrasparc-IIIs ausgestattet und kann ebenfalls bis zu 8 GB Hauptspeicher aufnehmen. Der Server ist 4U hoch. Allerdings besitzt er nur 4 PCI-Steckplätze und zwei Festplattenschächte, was die interne Plattenkapazität (ebenfalls mit 365-GB-Drives) auf 72 GB beschränkt. Datensicherheit über RAID 5 ist nur in Kombination mit einem externen Array möglich, beispielsweise dem "Storedge A1000".

"Computerwire" schätzt die Leistung eines Uniprozessor-p610 mit 450 Megahertz-CPU auf rund 15.000 Tpm nach TPC-C. Die Sunfire 280R erreicht trotz deutlich höherer CPU-Taktung - 750 beziehungsweise 900 Megahertz - keine erheblichere Mehrleistung. Die Experten schätzen ihre Power auf 17.000 respektive rund 20.000 Tpm-C.

IBM gibt an, der p610 erreiche mit seinem integrierten RAID-Controller einen vier mal höheren Datendurchsatz als eine Sunfire-280R/Storedge-1000-Kombination. In Sachen Leistungsaufnahme begnüge sich die Colt-Maschine mit 450 Watt gegenüber 810 Watt für den Littleneck-Server; diese gebe mit 3140 BTU pro Stunde außerdem erheblich mehr Wärme ab als der p610, dessen Wert Big Blue mit 1536 BTU pro Stunde angibt. Zusammen mit dem Storedge-1000-Array verschlinge Suns Hardware gar 1070 Watt und produziere pro Stunde 4232 BTU Abwärme.

Deutlich schwerer nachzuvollziehen ist allerdings IBMs ursprünglicher "Preisvergleich", bei dem eine ältere p610-Version mit 333-Megahertz-Prozessoren einer Sunfire mit 900 Megahertz CPU-Takt samt A1000 mit vier Platten gegenübergestellt wurde. "Computerwire" hat neu gerechnet: Suns Server kostet mit 4 GB RAM und 73 GB Plattenspeicher knapp 23.000 Dollar; das Disk-Array mit 145 GB (vier Platten) schlägt mit weiteren 10.500 Dollar zu Buche. Die Kombination belegt somit gemeinsam 8 Rack-Einheiten und kostet knapp 33.500 Dollar.

IBMs bisherige p610 mit zwei 450 Megahertz schnellen CPUs und sechs Platten mit zusammen 200 GB Kapazität kostet gut 21.000 Dollar. Bislang ist unklar, was IBM für den integrierten RAID-5-Controller verlangen wird. Sollte dieser "kostenlos" sein oder keinen drastischen Aufpreis nach sich ziehen, dann dürfte die neue Maschine in der Tat günstiger sein als Suns Konkurrenzprodukte.

"Computerwire" hat zusätzlich noch einen "Reality Check" mit einbezogen: Die Server von IBM und Sun kommen in den genannten Konfigurationen auf ein Preis-Leistungs-Verhältnis von mindestens 71 (Voraussetzung: kein Aufpreis für RAID 5) und 60 Cent/Tpm. Informierte Kreise gehen davon aus, dass Big Blue aber bisherigen Sun-Kunden im Falle eines Umstiegs bis zu 45 Prozent Rabatt auf den Listenpreis einräumt. Sun lasse bei Einstiegssystemen umgekehrt auch 15 Prozent nach, ohne mit der Wimper zu zucken. Damit ergäbe sich für IBM ein Preis-Leistungs-Verhältnis von 40 und für Sun von 50 Cent pro Tpm-C. Suns Geräte brauchen mehr Platz, und wenn IBMs Angaben zu Stromverbrauch und Abwärme stimmen, dann ist der neue pServer 610 ein durchaus interessantes Angebot. (tc)