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Neue Hiobsbotschaften von M+S Elektronik

10.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Knapp drei Wochen nach dem Insolvenzantrag der M+S Elektronik AG hat der Vertriebsvorstand Udo Hamm sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Hamm will sich künftig ausschließlich seiner Aufgabe als Vorstand der Tochtergesellschaft Profi Engineering AG widmen. Gleichzeitig stellten mit der Cepet Centrum für Personalberatung und Training GmbH und CPO Cepet GmbH zwei weitere Konzerntöchter (Computerwoche online berichtete) einen Insolvenzantrag. Wie M+S mitteilte, war dieser Schritt infolge des bereits am 21. Dezember gestellten Insolvenzantrages der Firmenmutter notwendig geworden.

Mit rund 1600 Mitarbeitern, 40 Niederlassungen und einem Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro zählt die M+S-Gruppe zu den bedeutendsten Arbeitgebern in der strukturschwachen nordbayerischen Region. Für das Geschäftsjahr 2000/01 musste das Unternehmen erstmals in der Firmengeschichte einen Verlust von 24,3 Millionen Euro ausweisen. Die Gründe für das Finanzdesaster liegen weit zurück: M+S ist traditionell auf den Handel mit Hardware ausgerichtet und verbucht in diesem Segment rund 80 Prozent der Einnahmen. Entsprechend stärker als andere Systemhäuser bekam das Unternehmen den Margenverfall im PC-Geschäft zu spüren.

Als Konsequenz versuchte M+S unter der Leitung des ehemaligen Fujitsu-Siemens-Managers Bernd Puschendorf den Wandel zum IT-Serviceanbieter. Doch der Umbau erwies sich als kostentreibend und zeitraubend. Puschendorf, der inzwischen vom Vertriebsvorstand zum Verantwortlichen für das gesamte operative Geschäft aufgestiegen war, verließ das Unternehmen Ende Juli 2001 ziemlich geräuschlos. "M+S ist in die Kostenfalle geraten", kommentiert Meta-Group-Analyst Markus Huber. Die Expansionsstrategie in Deutschland habe zu viel Geld gekostet. Wegen der Abhängigkeit vom Hardwaregeschäft sei die Liquiditätsdecke ohnehin sehr dünn gewesen.

Die Finanzprobleme spitzten sich zu, das Personalkarussell drehte sich weiter: Im November legten der Vorstandsvorsitzende Hans-Ulrich Mahr und der für das Finanzressort zuständige Claus-Rainer Schulze-Oberländer ihre Ämter nieder. Der Aufsichtsrat bestellte den als Sanierer bekannten Heinz-Peter Göbbels zum neuen Vorstandschef, das operative Geschäft übernahm Udo Hamm, der zuvor ausschließlich die Tochtergesellschaft Profi geleitet hatte.

M+S ist in “schwieriges Fahrwasser geraten”, schrieb das Unternehmen noch am 13. Dezember etwas euphemistisch in einer Pressemitteilung. “Gründe dafür waren interne Defizite in Führung und Organisation des schnell gewachsenen Unternehmens sowie Turbulenzen im wirtschaftlichen Umfeld der IT-Branche.” Dies habe zu einem Wechsel im Management geführt. Die Defizite wollten die Nordbayern mit einem umfassenden Restrukturierungskonzept beseitigen, das die Unternehmensberatung Roland Berger & Partner erarbeitet hatte. Vorgesehen war eine Konzentration auf Kernkompetenzen, eine Verschlankung des Unternehmens und “organisatorische Maßnahmen über alle Ebenen”, so eine Marketing-Verantwortliche gegenüber der CW.

Doch auch diese Maßnahmen kosten Geld. Ob sie wie geplant umgesetzt werden, hängt von den Verhandlungen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Werner Schreiber und den finanzierenden Banken ab. Die Ausrichtung auf das Servicegeschäft war prinzipiell richtig, meint Analyst Huber. Dazu bedürfe es allerdings langer Vorlaufzeiten, neuer Vertriebsstrukturen und auch zusätzlichen Personals. Ein dazu erforderlicher Kulturwandel sei eine Herausforderung, hatte Puschendorf schon im Mai eingestanden: “Dienstleistung an sich ist für einen Hardwaremann erst einmal schwer zu verkaufen.”

Wie viele Hardwaremänner in Niedernberg überhaupt noch gebraucht werden, ist offen. Zwar haben die Berater von Roland Berger “die Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit der M+S Elektronik AG” bestätigt, wie das Unternehmen am 18. Dezember mitteilte. Nachdem Versicherungsgesellschaften es abgelehnt hatten, die von M+S-Lieferanten gewährten Kredite weiterhin zu schützen, stoppten diese weitgehend die Auslieferung von IT-Produkten. Eine ordnungsgemäße Abwicklung des operativen Geschäfts sei kaum noch möglich, teilte das Systemhaus am 20. Dezember mit. Einen Tag später stellte M+S einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht in Aschaffenburg. Doch auch nach dem Insolvenzantrag ist offen, ob die Banken mitspielen werden. Ohne einschneidende Maßnahmen, sprich Entlassungen in größerem Umfang, wird sich der Geschäftsbetrieb kaum fortsetzen lassen.