Tipps für's Netzwerken

Networking für Schüchterne

Meridith ist Autorin unserer US-Schwesterpublikation CIO.com.
Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Wenn Sie ein schüchterner Mensch sind, kann sich Networking wie pure Folter anfühlen. Wir geben Ihnen 17 Strategien an die Hand, damit die Kontaktaufnahme und -pflege trotzdem klappt.

Das Networking - also der Aufbau und die Pflege von Kontakten - ist ein wesentlicher Faktor für den Geschäftserfolg und kann nicht nur bei der Suche nach einem neuen Job helfen, sondern auch bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte, der Kunden- und der Investorenakquise.

Aber für schüchterne Menschen - insbesondere IT-Geeks und -Nerds - kann sich Netzwerken unter Umständen unehrlich und manipulativ anfühlen. Also vermeiden sie den Akt des Networking so gut es nur geht - auch aus Angst vor Zurückweisung. Das wiederum kann sich negativ auf die Karriere auswirken.

Schüchtern? So klappt's trotzdem mit dem Networking.
Schüchtern? So klappt's trotzdem mit dem Networking.
Foto: Ollyy - shutterstock.com

"Netzwerken hat nichts mit Schleimerei zu tun", weiß Keith Ferrazzi, Autor des Networking-Bestsellers "Never Eat Alone". "Es ist nur ein Buzzword für die Herausbildung ernsthafter Beziehungen, die auf gegenseitiger Konzilianz basieren. Gute Beziehungen bilden die Grundlage für gute Netzwerke - ohne sie können Sie weder eine Karriere noch ein Unternehmen aufbauen. Sie brauchen Leute, die Sie unterstützen."

Glücklicherweise kann jeder halbwegs intelligente Mensch die Kunst des Networking ganz leicht erlernen. Schließlich braucht man dazu "nur" ein Grundgerüst an bestimmten, sozialen Skills. Mit diesen 17 Strategien können auch Introvertierte postwendend netzwerken.

Starten Sie mit dem, was Sie wissen

Wenn Sie schüchtern sind, kann es richtig Überwindung kosten, auf fremde Menschen zuzugehen. Gehen Sie die Sache also langsam an und netzwerken Sie erst einmal probeweise mit Freunden und/oder Verwandten.

"Networking geht auch ganz ohne ungebetene Besuche oder Anrufe", meint Lynne Sarikas, Chefin des Karrierezentrums der Northeastern University. "Starten Sie mit einer bekannten statt einer unbekannten Variable, um diesen Prozess zu demystifizieren. Das hilft schüchternen Menschen dabei, ihre inneren Hürden zu überwinden. Schon mit wenigen erfolgreichen Konversationen wird ihr Selbstvertrauen gestärkt."

Sobald Sie dann ein bisschen Courage entwickeln, weiten Sie Ihre "Kontaktgruppe" auf alte Studienkollegen aus. Ihr Alumni-Netzwerkkann sich als Goldmine erweisen. Einen Ex-Kommilitonen zu kontaktieren, sollte sich übrigens nicht nach Klinkenputzen anfühlen. Schließlich sind Ihre alten Studienkollegen nicht ohne Grund Teil des Alumni-Netzwerks.

Entschuldigen Sie sich nicht

Introvertierte und unerfahrene Mitarbeiter tendieren dazu, sich zu entschuldigen, wenn Sie nach Unterstützung oder Hilfe fragen. Das kommt daher, weil diese Menschen Netzwerken als lästige Pflicht empfinden, statt als Möglichkeit zum Kontaktaufbau.

"Sie fühlen sich so, als wären sie Bittsteller", weiß Sarikas. "Und diese Menschen haben nicht das Gefühl, dass Sie es wert sind, von anderen gehört zu werden. Also entschuldigen sie sich, wenn sie um Hilfe bitten."

Ständige Entschuldigungen lassen Sie wie einen Anfänger wirken. Also lassen Sie das. Jetzt sofort. Ein solches Verhalten zeigt anderen lediglich einen Mangel an Professionalität und Selbstvertrauen auf. Sie brauchen sich nicht dafür zu entschuldigen, wenn Sie Hilfe benötigen. Sie brauchen sich auch nicht dafür zu entschuldigen, wenn Sie mehr über die Person wissen wollen, deren Hilfe Sie benötigen. Beim Networking sieht die Erwartung so aus: Eine Hand wäscht die andere. Glauben Sie an sich selbst.

Gute Miene

Immer schön lächeln. "Das ist eine so einfache Basisregel, aber die Leute denken einfach nicht daran", weiß Peter Handal, CEO bei Dale Carnegie & Associates.

Sie sollten sich weniger darauf fokussieren, wie sehr Netzwerken Sie abstößt. Insbesondere dann, wenn Sie Gefahr laufen, auf Veranstaltungen, Konferenzen oder Partys mit grimmigem Gesichtsausdruck aufzufallen. Jede Art von Missmutigkeit, die sich in Ihrem Gesicht widerspiegelt, ist fehl am Platz.

Es ist auch viel wahrscheinlicher, dass die Menschen mit ihnen warm werden, wenn Sie das "Guten Morgen" mit einem Lächeln unterstreichen, statt ein gepresst-wütendes "Hallo" mit gezieltem "Vorbeiblick" auszustatten und von dannen zu ziehen. Das heißt nicht, dass Sie wie ein wahnsinnig gewordener Zirkusclown durchs Office tanzen müssen - gewöhnen Sie sich einfach an, eine Begrüßung mit einem freundlichen Gesichtsausdruck und einem Lächeln zu garnieren.

Der richtige Zeitpunkt

Auf eine Gruppe von Menschen zuzugehen, die sich untereinander bereits kennen, ist für Introvertierte unter Umständen eine grauenerregende Vorstellung. Schließlich ist es alles andere als ein leichtes Unterfangen, selbst wenn Sie bereitwillig von der Gruppe in die Diskussion mit einbezogen werden.

Keinesfalls sollten Sie deshalb Elefant im Porzellanladen spielen und einfach ungefragt und am besten noch lauthals Ihre Meinung kundtun. Ein solches Verhalten kann den ersten Eindruck schnell komplett versauen. Und jede Konversation im Keim ersticken. Setzen Sie stattdessen zunächst auf Zuhören, um erst einmal heraus zu bekommen, worum es im Kern der Diskussion eigentlich geht.

"Wenn sich dann eine günstige Gelegenheit ergibt, stellen Sie eine Frage an die ganze Gruppe", empfiehlt Handal. "Dadurch bauen Sie Glaubwürdigkeit auf." Für schüchterne Menschen dürfte es aber ohnehin viel einfacher sein, eine Frage zu stellen, als lauthals ihre Überzeugungen preiszugeben.

Zuhören, um gehört zu werden

Jeder Mensch spricht gerne über sich selbst. Das können insbesondere schüchterne Menschen für sich - und ihre Networking-Skills - nutzen. Viele Menschen hören nämlich überhaupt nicht zu, wenn andere reden. Stattdessen warten sie nur auf die Chance, wieder sprechen zu dürfen/können. Wenn Sie schüchtern sind, fällt Ihnen Zuhören wahrscheinlich ohnehin leichter als Reden. Deshalb sollten Sie alles daran setzen, ein guter Zuhörer zu werden. Ignorieren Sie Gespräche nicht und warten Sie nicht furchterfüllt auf den Moment, in dem Sie sprechen müssen.

Hören Sie stattdessen aufmerksam zu und lassen Sie Ihre Gesprächspartner ihre Meinung kundtun. Die werden sich später daran erinnern, dass sie ein tolles Gespräch mit Ihnen geführt haben. Und Sie mussten dazu noch nicht einmal viel sagen.

Kärtchen dabei?

"Visitenkarten sollten Sie immer parat haben", empfiehlt Handal. "Diese sind hocheffektiv, wenn es darum geht, ihren Namen im Gedächtnis der Gesprächspartner zu halten."

Das gilt ganz besonders, wenn Sie ein schüchterner Typ sind. Vergeuden Sie auch kurzfristige Kontakte nicht und nutzen Sie die Gelegenheit zum Tausch der Visitenkarten. Ergreifen Sie dabei die Initiative und bieten Sie zuerst Ihre Karte an - vielleicht denkt Ihr Gegenüber gar nicht daran. In jedem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie so auch das Kärtchen des Gesprächspartners erhalten. Voilà, die Grundlage für eine solide Connection ist gelegt.