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Napster-Verfahren: Auszeit in neuem Licht

01.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am Mittwoch wurden neue Details zur Pause im Verfahren der Recording Industry Association of America (RIAA) gegen die Musiktauschbörse Napster (Computerwoche online berichtete) bekannt. Am 16. Januar, also einen Tag vor Beantragung des vorläufigen Verhandlungsstopps, hatte Richterin Marilyn Hall Patel laut eines jetzt veröffentlichten Protokolls, den Anwälten beider Seiten angekündigt, die Online-Praktiken der großen Firmen genauer unter die Lupe nehmen zu wollen.

Hintergrund ist ein möglicher Copyright-Missbrauch der Musikkonzerne. So hatte das Joint Venture Musicnet, das von AOL Time Warner, Bertelsmann und der EMI-Gruppe betrieben wird, einem Vertragsabschluss mit Napster angeblich nur unter der Bedingung zugestimmt, dass ein vergleichbarer Deal mit dem Konkurrenten Pressplay, einem Gemeinschaftsunternehmen von Sony und Universal, ausgeschlossen sei. Dieser Punkt müsse nach Ansicht von Richterin Patel näher untersucht werden. Ein Verstoß gegen das Kartellgesetz sei nicht auszuschließen. Auch das amerikanische Justizministerium führt schon seit Mitte 2000 Ermittlungen gegen die Plattenfirmen durch.

In einem Statement verneinte die RIAA jeden Zusammenhang zwischen den Ankündigungen der Richterin und dem aktuellen Verhandlungsstopp. Vielmehr sei die schwierige finanzielle Lage von Napster für die Pause verantwortlich. Eine Einigung mit der Musiktauschbörse sei dringend erforderlich, damit noch ausstehende Zahlungen an die Plattenindustrie geleistet werden könnten.