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Napster erhält Schützenhilfe

28.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine breite Koalition von Elektronik- und Internet-Unternehmen hat in mehren schriftlichen Erklärungen die im vergangenen Monat erlassene einstweilige Verfügung von Richterin Marilyn Patel (Computerwoche.de berichtete) gegen Napster heftig kritisiert. Die unabhängig voneinander agierenden Interessenverbände schlugen sich in ihrer Kritik zwar nicht ausdrücklich auf die Seite der MP3-Tauschbörse, ihre Argumente geben Napster jedoch Schützenhilfe in der Schlacht gegen die mächtige US-Plattenindustrie RIAA (Recording Industry Association of America). So wenden sich die Industrievertreter der Consumer Electronic Association (CEA) und der Digital Media Association (DiMA) in ihrem Statement vornehmlich gegen die Zurückweisung der Verteidigungsplädoyers durch die

US-Richterin. Patel wollte Napsters Argument nicht anerkennen, wonach die MP3-Dateien mit dem legalen Kopieren von urheberrechtlich geschützten Filmen mittels Videorekordern gleichzusetzen seien. Die beiden Lobbyverbände argumentierten nun, dass Napster mit der MP3-Technik ebenso zu einer "wesentlichen Nutzung ohne Rechtsverstoß" fähig sei. Eine weitere Gruppe von Interessenvertretern, darunter NetCoalition und die U.S. Internet Industry Association, bemängelten vor allem Patels Auslegung des Urheberrechts. Sie befürchten dadurch künftig Nachteile hinsichtlich der juristischen Haftbarkeit von ISPs und Online-Diensten.

Die CEA vertritt Hunderte von Elektronikkonzernen, darunter Sony Electronics, Apple Computer und Cisco Systems. Die DiMA setzt sich aus führenden Online-Musikfirmen zusammen wie beispielsweise Listen.com oder EMusic. NetCoalition ist ein Interessenverband für Internet-Unternehmen, an dem unter anderem Yahoo, America Online, Amazon.com und Excite@Home beteiligt sind.