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Nächste Version von Exchange kommt häppchenweise

27.05.2004

Microsoft kündigte bereits auf der Tech Ed 2001 eine Version von Exchange an, die unter dem Codenamen "Kodiak" wesentliche Änderungen für das Mail- und Kalendersystem bringen sollte. Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz, die zurzeit in San Diego stattfindet, wurde Kodiak nun ad acta gelegt. Stattdessen sollen die dafür vorgesehenen Technologien nach und nach in Form von Service Packs und kleineren Upgrades ausgeliefert werden.

Die ehrgeizigen Pläne für das nächste große Exchange-Release sahen unter anderem vor, statt der bisherigen "Jet"-Datenbank den neuen SQL Server 2005 (Codename "Yukon") zu nutzen. Damit wollte Microsoft den Konkurrenten IBM und Oracle folgen, die ihre Mail-Server "Lotus Workplace Messaging" und "Collaboration Suite" auf der Grundlage einer relationalen Datenbank anbieten. Dieses Vorhaben scheint nun in weite Ferne zu rücken. Verantwortlich dafür sind wohl die Verspätung bei Yukon sowie der Kurswechsel in punkto Windows-Server. Während "Longhorn" zuerst nur eine Client-Version hervorbringen sollte, kündigte Microsoft kürzlich für 2007 doch noch einen Longhorn-Server an. Dieser wird wie das Desktop-System ein auf Yukon

basierendes Dateisystem ("WinFS") erhalten. Auf der TechEd konnte Vice-President David Thompson aber noch nicht sagen, ob eine zukünftige Exchange-Version eine eigene Lizenz des SQL-Servers erfordere oder stattdessen die neuen Dienste des Betriebssystems in Anspruch nehmen werde. Er stellte nur in Aussicht, dass Microsoft die Datenbank-Technologie "irgendwann in der Zukunft" ändern werde.

Einige für Kodiak geplante Neuerungen sollen indes schon früher fertig gestellt werden. Unter anderem handelt es sich dabei um die die "Exchange Edge Services". Dazu gehören Anti-Spam-Funktionen unter der Bezeichnung "Intelligent Message Filter" (IMF) und ein verbessertes Viren-Scanner-API. Die Edge Services sollen ihren Wert aber besonders durch Software von Drittherstellern erhalten. Microsoft sieht sie insgesamt als eine Plattform für das Mail-Management vor, wo sich all jene Funktionen einhängen lassen, die ein- und ausgehende Dokumente prüfen müssen. Auf der Anwenderseite zeichnen sich damit Installationen ab, die aus Frontend-, Edge- und Mailbox-Servern bestehen. Die Edge-Services werden laut Thompson SQL-Technologie nutzen, es stehe aber noch nicht fest, ob dafür ein eigener SQL Server benötigt werde.

Diese Edge-Dienste sollen für Kunden von Exchange 2003 zugänglich sein, und zwar bereits in den bevorstehenden Service Packs. Das SP1 enthält die neue Programmier-Schnittstelle für Viren-Scanner sowie den "Baseline Security Analyzer for Exchange 2003". Dieses Tool soll Fehlkonfigurationen des Messaging-Systems erkennen und damit Sicherheitsprobleme vermeiden. Die IMF hingegen müssen separat von Microsofts Website heruntergeladen werden. Damit kommen alle Anwender von Exchange 2003 in den Genuss des neuen Spam-Filters, und nicht nur - wie ursprünglich von Microsoft geplant - jene Kunden, die eine Software Assurance abgeschlossen haben. Die gesamten Edge Services sollen dann voraussichtlich im nächsten Jahr über das SP2 ausgeliefert werden.

Zu den Kodiak-Technologien, die den Kunden nun häppchenweise verabreicht werden, zählen zusätzlich die Unterstützung für 64-Bit-Systeme, bessere Anbindung von mobilen Geräten und erweiterter Support für Web-Services. Derzeit freilich ist noch unklar, wann und in welcher Form diese verfügbar sein werden. Denn trotz des Abschieds von Kodiak soll es laut Thompson irgendwann doch ein großes Exchange-Release geben. Dieses werde vermutlich zeitgleich mit der nächsten Version von Office kommen, um es auf Outlook abzustimmen zu können. Dafür gab Microsoft allerdings noch keinen Termin bekannt. (ws)