IT-Messe gestartet

Nachdenkliche Töne zur CeBIT-Eröffnung

05.03.2013
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Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.

Zu lange Entwicklungszyklen

Die gesamte IT-Infrastruktur werde für einen Entwicklungszyklus eingefroren. Wenn alles erledigt ist, ist das Equipment veraltet. Es steckten aber hunderte Millionen Euro Investitionen in dieser Infrastruktur. Entwicklungen in der Luft- und Raumfahrtindustrie seien sehr komplex. Man benötige IT-Hilfe, um das zu meistern. Darauf könnten die Unternehmen aber nicht Jahre warten. Updates dauerten oft zu lang und seien zu komplex. "Der Innovationsprozess muss ohne Unterbrechungen funktionieren. Wir brauchen eine neue Geschwindigkeit der Innovation."

Auch für Bundeskanzlerin Merkel ist längst nicht alles eitel Sonnenschein, was sie in der IT-Szene wahrnimmt. Ernst wird die Kanzlerin, wenn sie auf die Folgen des neuen IT-Zeitalters zu sprechen kommt. Mit der IT der Zukunft hätten die Menschen völlig neue Möglichkeiten, individuell zu bestimmen, was sie wann wie nutzen möchten. Es werde ein verändertes Kunden-Produkt-Verhältnis geben, prognostizierte Merkel auch mit Blick auf das diesjährige CeBIT-Motto Shareconomy. 2012 hätten bereits eine halbe Million Menschen in Deutschland von Carsharing-Angeboten Gebrauch gemacht. Das werde sich in viele andere Bereiche weiterentwickeln, aber auch ganz neue Ansprüche an die Verfügbarkeit von Menschen stellen.

Merkel spricht von einem "unglaublichen Wandel unserer persönlichen und unserer Arbeitswelt". Offen spricht die Bundeskanzlerin die kürzlich aufgedeckten Missstände beim Online-Versandhändler Amazon.com an. Auf der einen Seite seien die Menschen fasziniert von den Shopping-Möglichkeiten im Internet. Dass die Arbeitsverhältnisse, die hinter dem Angebot stehen, offenbar nicht so rosig aussehen, sei die Schattenseite des Ganzen. Auch in diesem Kontext müsse die Arbeit sozialverträglich bleiben, mahnte Merkel. "Manchmal habe ich das Gefühl, man müsste an die technische auch noch eine gesellschaftliche CeBIT anhängen."

Merkel hat ein Auge drauf...

Die Kanzlerin ist zuversichtlich, dass es gelingen wird, diese Probleme zu lösen. Dass die Technik gesellschaftspolitische Auswirkungen nach sich ziehen wird, steht für sie jedoch außer Frage. Diese Prozesse müssten gesellschaftlich begleitet werden. "Die Politik wird ein Auge darauf haben", kündigte sie an.

Zuletzt gab sie den CeBIT-Verantwortlichen den Rat, die Menschen bei all den technischen Möglichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren. Messen seien dazu da, Kontakte anzubahnen - unter ganz normalen Menschen, die miteinander sprechen. "Machen sie Ihre Gebrauchsanleitungen einfach, nicht zu viele Stecker", schloss sie schmunzelnd ihre Eröffnungsrede. Am Ende gehe es immer um den Menschen.