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Nach Abbauplänen: IG Metall fordert von Siemens "unternehmerische Konzepte"

19.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die IG Metall hat von Siemens unternehmerische Konzepte für die drei Verlustbereiche des Industrie- und Technologiekonzerns gefordert. Bisher liege nichts vor, sagte ein Gewerkschaftsvertreter am Montag der Nachrichtenagentur "dpa". Am Vormittag hatte Siemens unter anderem einen Stellenabbau sowie Umstrukturierungen in seinen drei defizitären Konzernbereichen SBS, Com und L&A angekündigt. Der IG-Metaller sagte, die Gewerkschaft arbeite Alternativen zum Stellenabbau bei SBS sowie bei L&A und Com aus.

"Die Ankündigungen sind eine kurspflegende Maßnahme", kritisierte der IG-Metall-Vertreter. "Der ganze Management-Stil von Klaus Kleinfeld zielt mehr auf den Aktienkurs als auf operative Verbesserungen. Der ehemalige Konzernchef Heinrich von Pierer hatte eine längerfristige Perspektive für Siemens im Kopf als Kleinfeld." Kleinfeld hatte im Januar den Chefposten beim Münchner Konzern übernommen. Bei dem IT-Dienstleister SBS fürchtet die Gewerkschaft einen größeren Arbeitsplatzwegfall als die nun angekündigten 2.400 Stellen in Deutschland. "Wir rechnen mit einem weiterem Stellenabbau", sagte der IG-Metaller.

Siemens brauche ein integriertes Servicekonzept über alle Bereiche hinaus, sagte der Gewerkschafter mit Blick auf den umsatzstärksten Bereich Com. In der Kommunikationssparte sollten die Techniker und Vertriebsmitarbeiter nicht in den seit Januar geltenden Tarifvertrag in Deutschland integriert werden, sondern in eine separate Firma übergehen. "Dies betrifft ungefähr 4.600 bis 6.000 Mitarbeiter", sagte der IG-Metall-Vertreter. "Es lässt Böses erahnen, wenn diese Mitarbeiter nicht integriert werden." Konzernweit beschäftige Siemens in Deutschland 24.000 Mitarbeiter im Service und im Vertrieb.

"Es gibt zweifelsohne einen Personalüberhang bei Com, der aber daher kommt, dass Siemens 2001/02 die Entwicklungskosten in diesem Bereich in etwa halbiert hat", sagte der Gewerkschafter. "Infolgedessen hat Siemens ein Produktloch, daher hat der Konzern nun ein Problem. Wir sehen aber nicht ein, dass für diese Management-Fehlentscheidung nun die Mitarbeiter, also die Techniker bluten müssen." Die Com-Techniker könnten in anderen Bereichen eingesetzt werden, wo es an solchen Fachleuten mangle.

Die Gewerkschaft kritisierte zudem Siemens' Vorgehen im defizitären Logistikbereich L&A, der zum 1. Oktober aufgelöst werden soll. Die profitablen Industrieautomatisierung sowie die Post- und Flughafenautomatisierung würden anderen Bereichen zugeschlagen. Die Sparte Transportsysteme im Containerbereich mit weltweit 5.000 Beschäftigten habe dagegen Schwierigkeiten und solle ausgegliedert werden.

"Das ist dasselbe Schema wie bei der Handy-Sparte: Das Problem wird nicht gelöst, sondern abgegeben", sagte der IG-Metall-Vertreter. "Kleinfeld zeigt hier zu wenig unternehmerischen Ehrgeiz und schielt stattdessen auf den Aktienkurs." Siemens gibt seine verlustreiche Handy-Sparte Ende September mit Ablauf des Geschäftsjahres 2004/05 an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ ab. (dpa/mb)