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Muss EM.TV-Aufsichtsratschef Becker zurücktreten?

08.01.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am vergangenen Wochenende verdichteten sich die Gerüchte um einen Rücktritt des EM.TV-Aufsichtsratschefs Nickolaus Becker. Die Kirch-Gruppe, die sich in Kürze an dem Unterföhringer Vermarktungsunternehmen für TV-Rechte beteiligen will, dränge auf das Ausscheiden des umstrittenen Managers, hieß es. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge will EM.TV-Großaktionär Thomas Haffa den geplanten Einstieg der Kirch-Gruppe nicht an Personalien scheitern lassen. Becker soll bei dem Münchener Medienriesen einen schlechten Ruf genießen, da er sich nur von April bis Oktober 1984 als Chef bei Kirch halten konnte. Ferner sei Becker Ender der 80-er Jahre Geschäftsführer bei der Finanz- und Softwarefirma GFTA gewesen, die in Devisengeschäfte über die Bahamas verwickelt war. Der EM.TV-Aufsichtsratschef dementierte die Spekulationen

gegenüber der "Welt am Sonntag" mit den Worten: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, und deswegen ist für mich ein Rücktritt kein Thema." Kirch habe ihn persönlich gebeten, den Aufsichtsratsvorsitz bei EM.TV zu behalten, sollte es zu einer Beteiligung des Medienkonzerns an dem TV-Rechte-Makler kommen.

EM.TV will seinen Schuldenberg durch eine Beteiligung von Kirch drastisch reduzieren. Das Unternehmen geriet unter Druck, nachdem es seine Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr 2000 um mehrere hundert Millionen Euro nach unten korrigieren musste. Der Aktienkurs, der im Februar noch bei 120 Euro lag, bewegt sich augenblicklich bei nur noch fünf Euro. Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (Bawe) hat inzwischen ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen EM.TV eingeleitet (Computerwoche online berichtete). Untersucht wird, ob es im Zeitraum vor der Gewinnwarnung des Unternehmens am 1. Dezember 2000 zu verbotenem Insiderhandel gekommen ist.