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Multimedia-Transfer-Preis 2005: Keine Angst vorm Mikrofon

18.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zum zehnjährigen Jubiläum des Multimedia-Transfer-Preises (MMT) reichten 115 kreative Teams ihre Arbeiten ein. Den ersten Preis holten sich in diesem Jahr die Studenten Roland Galler, Robert Strohmaier und Wolf-gang Bergthaler von der Fachhochschule Joanneum Graz, der Women´s Special Preis ging an Irina Mammone von der Universität Basel.

Ob als Manager in einer wichtigen Konferenz oder als Student im Seminar - ein gelungener Vortrag bringt die berufliche Karriere ebenso weiter wie die universitäre Ausbildung. Nur: Wie lassen sich diese Soft Skills am einfachsten schulen? Die Gewinner des diesjährigen Multimedia-Preises haben die Jury mit ihrem Beitrag überzeugt. Roland Galler, Robert Stroh-maier und Wolfgang Bergthaler von der Fachhochschule Joanneum Graz haben mit ihrer Software "Speaky - die Multimedia-Redneranalyse" ein Tool entwickelt, mit dem Redner anhand von Daten wie beispielsweise Position, Bewegung, Lautstärke, Redepausen und Anzahl der Folien ihren Vortrag analysieren können. Die findigen Studenten der FH Joanneum Graz entwickelten das Tool als Projektarbeit im fünften Studiensemester und wurden für ihre Arbeit mit dem Hauptpreis von 3500 Euro belohnt. Das Preisgeld stellte der Energieversorger EnBW zur Verfügung. Wer das pfiffige Tool der Studenten einmal genauer ansehen möchte, wird auf deren Homepage (www.speaky.org).

Insgesamt reichten 115 Teams ihre Arbeiten ein. Eine Jury wählte aus den eingereichten Beiträgen die 20 besten aus, die sich und ihre Arbeit dem Publikum während der Learntec in Karlsruhe präsentieren durften. Veranstalter war auch im diesem Jahr das Rechenzentrum der Universität Karlsruhe zusammen mit zahlreichen Sponsoren. Neben dem Hauptpreis gab es weitere attraktive Auszeichnungen für die Teilnehmer. In der Kategorie "Women´s Special", der von IBM Deutschland in diesem Jahr mit 2500 Euro dotiert war, gewann Irina Mammone von der Universität Basel mit "ViLab". Die Studentin entwickelte innerhalb von fünf Monaten im Rahmen ihrer Diplomarbeit am Institut für Molekulare Pharmazie der Universität Basel ein Lernsystem, das Pharmaziestudenten virtuell auf anspruchsvolle Labormethoden vorbereitet. Die Idee des Sonderpreises, den Anteil der Frauen unter den Teilnehmerinnen und das Interesse an technischen Themen zu erhöhen, trägt inzwischen Früchte: In diesem Jahr wurden 40 Prozent der Beiträge von Frauen eingereicht. Bisher konnten sich Studentinnen nur mit reinen Frauenthemen in dieser Kategorie bewerben, doch diese Beschränkung wurde aufgehoben.

Der Gewinner des mit 1500 Euro dotierten Preises von der Commerzbank Frankfurt am Main kommt ebenfalls von einer österreichischen Hochschule, der Technischen Universität Wien. Die "Invisible Train", eine Installa-tion der Autoren Thomas Pintaric und Daniel Wagner, ist die weltweit erste interaktive Multi-User-Augmented Reality-Applikation auf handels-üblichen mobilen Geräten wie PDAs oder Handhelds. Die Autoren haben mit dem Beitrag ihre Vision der "Augmented Reality" umgesetzt. Die Jury überzeugten "sowohl die technische Realisierung als auch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten" diese Arbeit.

Auch in diesem Jahr wurde die Tradition fortgesetzt, dass ehemalige Teilnehmer Preise stiften. Die mit jeweils 500 Euro dotierten Nachwuchspreise sollen die nächste Multimedia-Generation motivieren und gleichzeitig zeigen, dass eine Bewerbung beim Multimedia Transfer der erste Schritt zu einer erfolgreichen Karriere sein kann. Das Team von C³AS³ (Universität München) gehörte zu den Finalisten des letztjährigen Multimedia-Transfer-Preises und gewann einen der 20 Messestände. "Wir haben sehr vom MMT profitiert - und Preisgelder steigern die Motivation, sich an einem Wettbewerb zu beteiligen", so Lars-O. Mohr. Der erste Nachwuchspreis ging an Torben Fugger, Nils Hornung und Florian Koller von der Universität Koblenz für ihr Projekt "Herbarium". Die Studenten haben ein elektronisch erweitertes Pflanzenbuch entwickelt, das eine interaktive Anwendung der Technik "Augmented Reality" nutzt. Die Idee, Pflanzenwachstum in Form einer interaktiven, erweiterten Anwendung darzustellen, entstand in einem Kunstseminar, das die drei Studenten der Computervisualistik besuchten. Über einen Kontakt des Dozenten zum Cybernarium Darmstadt hatten sie die Chance, ihr Projekt dort auszustellen. Dadurch motiviert, entwickelten sie die Arbeit in ihrer Freizeit weiter. Im Rahmen einer Ausstellung über virtuelle Umgebungen begeisterten sie mit ihren "virtuellen Bäumen" das Publikum.

Den zweiten Nachwuchspreis überreichte Kai Steinmann von Versatil Leipzig an das Team von "Gebärdenwerk". Die Autoren Knut Weinmeister, Thimo Kleyboldt und Ralph Raule entwickelten im Rahmen ihres Studiums das Projekt und machten sich anschließend damit selbstständig. Das Gründerteam besteht aus zwei Pädagogen und einem Wirtschaftswissenschaftler. "Gebärdenwerk" erstellt Gebärdensprachfilme, um gehörlosen Menschen textbasierte Informationen verständlich zu machen. Darüber hinaus beraten die Gründer Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, um ihnen den Zugang zu hörgeschädigten Menschen zu erleichtern und den Bedarf zu erkennen. Dieser Beitrag stammt aus der Kategorie "Barrierefreiheit", die zum zweiten Mal ausgeschrieben wurde.

Kai Steinmann gewann zusammen mit Professor Rüdiger Steinmetz, Sebastian Uhlig und Rene Blümel 2003 den Hauptpreis. "Die Kontakte, die wir mit unserer Lern- und Selbstlern-DVD "Film- und Fernsehästhetik in Theorie und Praxis" auf der Learntec sammeln konnten, führten zu weiteren, ähnlich gelagerten DVD-Projekten und -Produktionen, die wir dann als junge Firma realisierten und auch weiter realisieren. Zudem wurde über das Presseecho des MMT ein Verlag auf uns aufmerksam, der die Film- und Fernsehästhetik-DVD nun in Neuauflage verlegen möchte", so Steinmann.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums veröffentlicht die Universität Karlsruhe Anfang April eine Buchdokumentation veröffentlicht, die zahlreiche Projekte vorstellt. (iw)