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MS-Kartellprozess: Gerangel um Java und Browser

20.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Rest-Kartellverfahren gegen Microsoft standen gestern einmal mehr Suns Java-Plattform und die Integration von Browser und Betriebssystem im Mittelpunkt. Zunächst bemühten sich Microsofts Anwälte, den mangelnden Erfolg von Java Sun selbst zuzuschieben. Die Anwälte des Konzerns zitierten dazu unter anderem aus internen Sun-Memos, in denen Kunden (darunter auch die Investment-Bank Merrill Lynch) über die mangelnde Performance der Plattform klagten. Suns Vice President Richard Green als Zeuge der Anklage erklärte, die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen. Java habe sich in all den Bereichen hervorragend entwickelt, wo Microsoft keine kontrollierende oder Monopolposition habe.

Anschließend äußerte sich der frühere Netscape-Chef Jim Barksdale zum verlorenen Browser-Krieg und zum Vergleichsvorschlag von US-Justizministerium und neun einzelnen Bundesstaaten. Netscape sei Hauptziel von Microsofts wettbewerbsschädigendem Verhalten gewesen. Der "Navigator" habe nie eine echte Chance erhalten, eine echte Plattform zur Anwendungsentwicklung zu werden, weil Microsoft ihn als Bedrohung seines Betriebssystem-Monopols wahrgenommen habe, erklärte Barksdale. Der Vergleichsvorschlag zwischen DOJ und dem Gates-Konzern gehe nicht weit genug, weil der Code für Microsofts so genannte Middleware (Browser, Mail-Client, Media Player etc.) weiterhin auf jedem PC verbleibe. Nur die Forderung der noch im Prozess aktiven neun Einzelstaaten, die unter anderem ein "abgespecktes" Windows ohne mit installierte Zusatzprogramme vorsieht, könne konkurrierenden Anbieter echten Wettbewerb ermöglichen. (tc)