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Motorola schreibt nach 16 Jahren erstmals Verlust

11.04.2001
Motorola hat seine Bilanz für das erste Quartal 2001 vorgelegt und darin den ersten Verlust seit 16 Jahren ausgewiesen. Als Grund nannte der Konzern die branchenweite Konjunkturflaute.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Motorola hat gestern nach US-Börsenschluss seine Bilanz für das erste Quartal vorgelegt und darin den ersten Verlust seit 16 Jahren ausgewiesen. Als Grund nannte der Konzern die branchenweite Konjunkturflaute.

Motorola wies für den abgeschlossenen Dreimonatszeitraum einen Nettoverlust von 533 Millionen Dollar oder 24 Cent pro Aktie aus. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch 448 Millionen Dollar oder 20 Cent je Anteilschein Gewinn erwirtschaftet. Das aktuelle Ergebnis enthält eine einmalige Abschreibung von 279 Millionen Dollar für Restrukturierungsmaßnahmen; im Vorjahresquartal wurden 39 Millionen Dollar für Akquisitionen abgeschrieben. Abzüglich außergewöhnlicher Belastungen und Zugewinne betrug der Quartalsverlust 206 Millionen Dollar oder neun Cent pro Aktie, im Vorjahr verblieben 481 Millionen Dollar oder 21 Cent je Anteilschein Gewinn. Die Analysten hatten laut First Call/Thomson einen Verlust von sieben Cent je Aktie erwartet. Der Quartalsumsatz ging von 8,77 Milliarden Dollar um zwölf Prozent auf 7,75 Millionen zurück.

Am schlimmsten betroffen waren die Konzernbereiche Personal Communications (= Handys) und Semiconductor, die zusammen mehr als 50 Prozent der Einnahmen generieren. Im Handygeschäft ging der Umsatz um 30 Prozent auf 2,28 Milliarden Dollar zurück. "Auch wenn Motorola für jedes Mobiltelefon ordentlich Geld bekommen hat - sie können die Geräte nicht profitabel produzieren", erläutert Ed Snyder von J.P. Morgan. Der Halbleiterumsatz sank um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. CEO (Chief Executive Officer) Chris Galvin erklärte, viele Kunden hätten in guten Zeiten ihre Lagerbestände aufgefüllt und zehrten nun davon, statt neu zu ordern.

"Ein allgemeiner, äußerst heftiger Abschwung, der viel schneller kam als irgendjemand erwarten konnte, hat unser Ergebnis gedrückt", so das generelle Fazit des Motorola-Lenkers. In einem Gespräch mit Analysten will der Konzern heute einen Blick in die Zukunft wagen. "Wir reagieren auf das, was man uns entgegenwirft, und bereiten uns darauf vor, nach Ende dieser Rezession wieder stark zuzulegen", übte sich Galvin vorab in Optimismus.