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Morpheus vs. Kazaa: Schlammschlacht und Prozess

06.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die zerstrittenen Peer-to-Peer-Dienste (P2P) Morpheus und Kazaa müssen nun gemeinsam vor Gericht. Bereits im Oktober 2001 hatten amerikanische Plattenfirmen und die Hollywood Studios Klage gegen die Betreiber der Dienste eingereicht, da die Tauschbörsen ihrer Meinung nach Urheberrechte verletzen. Der US-Bezirksrichter Stephen Wilson will die Sachverhalte zunächst prüfen lassen und danach eine Hauptverhandlung ansetzen, in der die Beschuldigten ihre Standpunkte darlegen können.

Die Anwälte von Morpheus und Kazaa haben sich bereits auf eine gemeinsame Verteidigungsstrategie festgelegt. Sie wollen die Richter davon überzeugen, dass ihre Mandanten in die gleiche Kategorie fallen wie Videorekorder. Dabei berufen sie sich auf den "Betamax"-Fall in der 80er Jahren. Damals hatte der US-Bundesgerichtshof festgestellt, dass Videorekorder nicht ausschließlich dazu dienen, Copyrights zu verletzen und so die Verbreitung der Aufnahmegeräte ermöglicht.

Zwischen den Betreibern der P2P-Dienste Streamcast und Kazaa BV (ehemals Fasttrack) ist mittlerweile eine Schlammschlacht entbrannt. Grund ist die Protokolländerung, durch die Kazaa seinem Mitbewerber den Zugang zur hauseigenen P2P-Technologie verwehrt hatte (Computerwoche online berichtete). Nachdem Streamcast-Chef Steve Griffin Kazaa bezichtigt hatte, die Morpheus-Server durch eine DoS-Attacke (Denial of Service) lahmgelegt zu haben, warnt er nun auf der Morpheus-Homepage davor, den Dienst des Konkurrenten zu verwenden. Dabei lässt er alte Vorwürfe wieder aufleben, die in Kazaa integrierte Ad-Ware (Tool zum Einblenden von Werbebannern in die Benutzerführung) spioniere die Anwender aus.

Kazaa hingegen fordert auf seiner Website Morpheus-Nutzer direkt zum Umstieg auf die eigene Software auf. Dabei weist der Betreiber darauf hin, dass bereits zwei Millionen Anwender seinen P2P-Dienst nutzen. Ein gutes Argument, denn die Online-Tauschbörsen sind um so interessanter, je mehr Anwender teilnehmen und ihre Inhalte zum Download anbieten.

Die Anschuldigungen Griffins weist Kazaa zurück. Streamcast habe seinerseits DoS-Angriffe gestartet. Diese habe man lediglich an die Verursacher zurückgeleitet. (lex)