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Moorhuhn-Company kurz vor dem Abschuss

17.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Nachricht von Bilanzierungstricks beim Neue-Markt-Unternehmen Comroad ist noch nicht verdaut, da taucht bereits der nächste Skandal auf. Die Phenomedia AG, Hersteller von Spielesoftware und bekannt geworden durch das "Moorhuhn", hat offenbar ihre Geschäftszahlen manipuliert. In einer brisanten Adhoc-Meldung des Unternehmens ist die Rede davon, es gebe "Anhaltspunkte" dafür, dass der Quartalsbericht zum 30. September unrichtig sei. Auch der Entwurf des Jahresabschlusses sei vermutlich manipuliert worden. Unangenehm dürfte dieser Vorwurf auch für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sein, die sowohl Comroad als auch Phenomedia geprüft hatte. Für den Jahresabschluss der Spiele-Company liegt allerdings noch kein Testat vor. Als Grund dafür nannte die Gesellschaft nicht

dargelegte Nachweise von ausstehenden Forderungen. Laut KPMG war Phenomedia diesem Nachweis trotz mehrmaliger Aufforderung nicht nachgekommen.

Als erste Reaktion hat Phenomedia den Mitbegründer und Vorstandschef Markus Scheer sowie den Finanzvorstand Björn Denhard gefeuert. Der verbleibende Vorstand wollen nun eine Sonderprüfung in Auftrag geben, um die Bilanzpraktiken auch weiter zurückliegender Rechnungszeiträume zu untersuchen. Auch das Bundesamt für Wertpapierhandel (BAWe) ist mittlerweile aufmerksam geworden. Die Verdachtsmomente sollen zunächst analysiert und bei entsprechenden Ergebnissen eine Untersuchung wegen möglichen Insiderhandels eingeleitet werden. Scheer ist auch deshalb ins Blickfeld der Ermittler geraten, weil er im vergangenen Dezember innerhalb von zwei Wochen Aktien im Wert von 2,3 Millionen Euro verkauft hatte. Weitere Auffälligkeiten hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) auf ihrer Homepage in Form eines Kurzkommentars veröffentlicht. (rs)