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Mobilcom-Aktionäre verweigern Schmid die Entlastung

31.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mobilcom -Chef Gerhard Schmid erlebte am gestrigen Donnerstag auf der Hauptversammlung in Hamburg sein Waterloo: Die Aktionäre unter der Führung von Großanleger France Télécom verweigerten ihm mit rund 85 Prozent die Entlastung. Damit nicht genug: Bereits zu Beginn der Veranstaltung beschuldigte der Aufsichtsrat Schmid, bei den Aktiengeschäften mit seiner Ehefrau gegen das Aktienrecht verstoßen zu haben. Das Geschäft soll nun rückgängig gemacht werden.

Sybille Schmid-Sindram hatte im Auftrag ihres Gatten 3,6 Millionen Mobilcom-Aktien für ein Bonusprogramm für Händler und Vertriebspartner bereitgestellt. Dafür erhielt sie 68 Millionen Euro, wegen der Kursdifferenz zwischen dem Zeitpunkt des Kaufs und dem Beginn des Aktienoptionsprogamms profitierte sie jedoch mit mehreren Millionen Euro. Zwar wurde im Rahmen einer Sonderprüfung der von France Télécom geäußerte Verdacht auf verbotene Insider-Geschäfte (Computerwoche online berichtete) ausdrücklich nicht bestätigt. Schmid hatte jedoch vor der Aktion weder seinen Finanzvorstand noch den Aufsichtsrat informiert und damit gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen. Außerdem soll nicht einmal ein Vertrag existieren. Aufsichtsratschef Klaus Ritken gab Schmid nun eine Woche Frist, das Geschäft rückgängig zu machen. Zudem darf der Gründer und Mehrheitseigner Mobilcom nicht mehr allein

vertreten.

Schmids Tage als Mobilcom-Chef sind ohnehin gezählt: Großaktionär France Télécom steht laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" kurz davor, durch den Erwerb der Aktien von Schmid und seiner Ehefrau die Kontrolle über Mobilcom zu übernehmen. Das Geschäft soll bereits in der nächsten Woche im Aufsichtsrat beschlossen werden, die Franzosen stellen allerdings Schmids Rücktritt als Bedingung. (mb)