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Mit Vollgas aus der Krise - IT-Konzerne setzen auf den Innovationsvorteil

29.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Über eine deutliche Anhebung ihrer Investitionen in Forschung und Entwicklung hoffen führende IT-Konzerne, mit anziehender Konjunktur ihren Abstand zur finanzklammen Konkurrenz auszuweiten. Unlängst gaben etwa Intel und Samsung bekannt, ihre R&D-Ausgaben erneut zu steigern. Branchenprimus Intel hebt seine Investitionen in diesem Bereich 2004 um weitere neun Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar an - nachdem die Summe bereits im vergangenen Jahr um acht Prozent aufgestockt wurde. Samsung plant, im laufenden Jahr 8,5 Prozent seiner Einnahmen in Forschung und Entwicklung zurückfließen zu lassen, 2003 waren es "lediglich" 8,1 Prozent des Umsatzes.

Aber auch IBM rüstet sich für den erwarteten Aufschwung und hat im vergangenen Jahr bereits die Zahl der im Konzern beschäftigten Ingenieure und Wissenschaftler um 20.000 auf 190.000 erhöht. Die Forschungsabteilung sei der einzige Bereich, wo Big Blue derzeit wachse, so Nicholas Donofrio, Senior Vice President Technology and Manufacturing, gegenüber dem "Wall Street Journal".

Schlechte Nachrichten für angeschlagene Konkurrenten, die gerade erst beginnen, sich von den Auswirkungen der wohl schwersten Krise der IT- und Kommunikationsindustrie zu erholen. Viele von ihnen, insbesondere im Segment TK-Ausrüster, haben in den letzten Jahren ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung stark reduziert, um wieder Gewinne zu schreiben. So kürzte etwa Lucent, dem im Herbst 2003 nach drei trüben Jahren der Turnaround gelang, im vergangenen Geschäftsjahr seine R&D-Investitionen um 35 Prozent.

Allerdings ist nach Ansicht einiger Manager nicht die Höhe der für die Forschung bereitgestellte Summe, sondern deren Verwendung entscheidend. So erklärte Cisco-CEO John Chambers, dessen Company die R&D-Ausgaben im laufenden Geschäftsjahr um acht Prozent gesenkt hatte, die Investitionen in mittel- bis langfristige Projekte seien sogar gestiegen. Auf Dreijahressicht habe Cisco noch nie zuvor mehr investiert als jetzt - und dies zu einem Zeitpunkt, wo fast alle Konkurrenten eine exakt umgekehrte Strategie verfolgten.

Andere Unternehmen argumentieren, man müsse trotz sinkender Forschungsausgaben nicht auf Innovation verzichten. So hat etwa der schwedische TK-Ausrüster Ericsson die Investitionen gekürzt, ein Teil seiner Entwicklung wurde jedoch an Spezialisten in Billiglohnländern wie Indien übergeben. (mb)