Billiger und schneller als das Telekom-VDSL

Mit passiver Glasfasertechnik auf 100 Mbit/s beschleunigen

18.05.2009
Von 
Jürgen Hill ist Chefreporter Future Technologies. Thematisch befasst sich der studierte Diplom-Journalist und Informatiker derzeit mit aktuellen IT-Trendthemen wie KI, Quantencomputing, Digital Twins, IoT, Digitalisierung etc. Zudem verfügt er über einen langjährigen Background im Bereich Communications mit all seinen Facetten (TK, Mobile, LAN, WAN). 

Niedrigere Kosten

Um nun von den FCs bis zum Gebäude (FtttB, Fibre to the Building) oder bis zur Wohnung (FtttH, Fibre to the Home) zu gelangen, müssen Plastikleerrohre im Boden verlegt werden - und genau diese Grabungsarbeiten machen den Glasfaserausbau so teuer. Dafür sind die Netze dann später leicht skalierbar, denn wenn zusätzlicher Bedarf entsteht, wird einfach eine weitere hauchdünne Glasfaser in das Rohr eingeblasen.

Kombinierte Access-Devices sorgen beim Anwender für den Übergang zwischen Glasfaser und klassischer Kabelinfrastruktur.
Kombinierte Access-Devices sorgen beim Anwender für den Übergang zwischen Glasfaser und klassischer Kabelinfrastruktur.
Foto: Alcatel-Lucent

Da heute kaum ein Anwender, von großen Geschäftskunden und anderen Sonderfällen einmal abgesehen, eine Datenrate von bis zu 2,5 Gigabit/s benötigt, arbeitet man mit einem so genannten Splitfaktor. Über eine Faser werden 16, 32 oder 64 Kunden versorgt. In der nächsten GPON-Entwicklungsstufe soll der Splitfaktor auf 1:128 hochgeschraubt werden. Zudem soll mit der passiven Technik dann bis zu 100 Kilometer überbrückt werden, und zwar ohne weitere Komponenten. Das versichern Alcatel-Lucent und Huawei unisono, beide gehören in Deutschland zu den Ausrüstern in Sachen Netzausbau. Vor dem Hintergrund dieser technischen Entwicklung könnte sich dann in absehbarer Zeit auch auf dem Land eine Glasfaserinfrastruktur rechnen.

Das brauchen Sie als Endkunde

Netzkomponenten benötigt eine GPON-Infrastruktur dann erst wieder beim End-User. Hier hängt es davon ab, ob die Glasfaser bis zur Wohnung des Anwenders oder nur bis zum Gebäude geführt wird. Reicht die Glasfaser bis zur Wohnung, dann benötigt der Kunde dort einen ONT (Optical Network Terminator) und könnte theoretisch Datenraten von bis zu 2,5 Gbit/s erhalten. Ähnlich wie anfangs bei den DSL-Modems wird dieses Gerät, das die eingehenden Signale für Fernseher, LAN und Telefon aufsplittet, in der ersten Phase wohl von den Providern gestellt werden.

In der Praxis dürfte aber eher die FttB-Variante anzutreffen sein. Hier endet die Glasfaser im Keller, und die Verteilung erfolgt über die vorhandene Hausverkabelung. Die Umsetzung von Glasfaser auf klassische Kupferkabel übernehmen Multi-Dwelling-Units (MDU, Mehrfamilienhausgeräte). Hier ist allerdings die Bandbreite auf 100 Mbit/s begrenzt, denn von der MDU bis zur Telefondose in der Wohnung werden die Daten per VDSL weitertransportiert.