Feeding America

Mit Daten den Hunger bekämpfen

25.07.2022
Von 
Thor Olavsrud ist Senior Writer bei CIO.com und beschäftigt sich mit IT-Security, Big Data, Open-Source-Technologie sowie Microsoft-Tools und -Servers. Er lebt in New York.
Maryann Byrdak, die CIO der gemeinnützigen Hungerhilfeorganisation Feeding America, leitete einen technologischen Wandel ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Datenanalyse.
Feeding America verpflichtete seine erste CIO, um den Hunger mit Hilfe von Daten besser zu bekämpfen.
Feeding America verpflichtete seine erste CIO, um den Hunger mit Hilfe von Daten besser zu bekämpfen.
Foto: Tada Images - shutterstock.com

Mehr als 38 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten, darunter 12 Millionen Kinder, sind von Hunger betroffen, obwohl das Land mehr als genug Lebensmittel produziert, um alle ernähren zu können. Feeding America, die größte inländische Organisation zur Bekämpfung des Hungers, will die Informationstechnologie einsetzen, um zu helfen. Vor drei Jahren hat die Organisation ihren ersten IT-Chef eingestellt, um die Art und Weise zu verändern, wie ihr Netzwerk von 200 Lebensmittelbanken die hungernden Menschen versorgt.

"Feeding America ist eine gemeinnützige Organisation, die sich wie die meisten gemeinnützigen Organisationen verhält", sagt Maryann Byrdak, Chief Information Technology Officer von Feeding America. "Wir beschaffen viele Lebensmitte, koordinieren Spenden von Herstellern, Einzelhändlern und Lebensmittelherstellern und kaufen aber auch Lebensmittel ein. Viele unserer Prozesse laufen genauso ab, wie bei einem gewinnorientierten Unternehmen. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Prozesse, die Werkzeuge und die Teams aufeinander abstimmen, um sicherzustellen, dass sie optimiert und sicher sind, und dass wir den richtigen digitalen Fußabdruck haben, um all diese Bemühungen zu koordinieren", beschreibt Byrdak das Vorgehen.

Dabei steht Feeding America in einigen Bereichen vor besonderen Herausforderungen. Die Organisation betreibt ein föderiertes Netzwerk, wobei jede ihrer 200 Lebensmittelbanken eine unabhängige 501(c)(3)-Organisation ist. Das bedeutet, sie entwickeln ihre eigenen Strategien, stellen ihre eigenen Führungskräfte und Teams ein und implementieren ihre eigenen IT-Systeme. Infolgedessen unterscheiden sich die Technologielösungen, Standards und Versionen.

"Feeding America ist ein Netzwerk von 200 Lebensmittelbanken und 60.000 Ausgabestellen", erklärt Byrdak. "Wir fungieren eigentlich als übergeordnete Organisation und die Lebensmittelbanken können selbst entscheiden, welche Dienste sie in Anspruch nehmen und wie. Nicht alle verfügen über technische Ressourcen. 80 Prozent haben keinen eigenen IT-Mitarbeiter. Für viele Lebensmittelbanken bieten wir technische Dienstleistungen an."

Den Kampf gegen den Hunger modernisieren

Byrdaks Team sei die einzige IT-Abteilung für etwa 15 Prozent der Lebensmittelbanken im Netzwerk von Feeding America. Die Organisation kümmere sich um alles, von der Einrichtung der Laptops über die Konfiguration der Netzwerkverbindungen bis hin zur Unterstützung der ERP-Systeme. "Für das gesamte Netzwerk stellen wir einen digitalen Fußabdruck bereit, um die Spender mit den Lebensmittelbanken zu verbinden und dann die Lebensmittelbanken mit den bedürftigen Menschen", erklärt die Managerin.

Die IT-Chefin kam aus der Privatwirtschaft zu Feeding America, wo sie zuvor als CIO und Senior Vice President of IT bei Potbelly, einer amerikanischen Sandwich-Restaurantkette, tätig war. Die Non-Profit-Organisation holte sie mit dem Auftrag an Bord, eine Roadmap zu erstellen, um Innovationen voranzutreiben und die IT der Organisation zu modernisieren. Im Mittelpunkt von Byrdaks mehrjährigem Transformationsplan stehen die Erweiterung von MealConnect, der ersten landesweit verfügbaren Plattform für die Rettung und Beschaffung von Lebensmitteln, sowie ein neues Data Warehouse, das die Lebensmittelbanken bei der Analyse und Visualisierung ihrer Beschaffungs-und Verteilungsdaten unterstützt.

Um die grundlegenden Technologien zur Unterstützung der Umstrukturierung aufzubauen, arbeitete Feeding America mit Partnern wie Salesforce, Google, Microsoft, Tableau und Slalom Consulting zusammen. Für das Projekt wurde die Organisation mit dem CIO 100 Award in IT Excellence ausgezeichnet.

Technische Planung und Umsetzug

Die Organisation MealConnect bringt Einzelhändler mit Lebensmittelbanken zusammen, um die lokale Lebensmittelrettung zu unterstützen. Seit 2014 hat das Unternehmen mehr als zwei Milliarden Pfund an Lebensmitteln gerettet. Im August 2021 erweiterte das Team von Feeding America seine Plattform um die Microsoft-Dienste Azure Cloud, Azure Identity Services und Azure DevOps, um ein nationales System zum Abgleich von Lebensmittelmärkten zu schaffen.

"Wir haben uns mit 30 Lebensmittelbanken sowie verschiedenen Gremien von Lebensmittelbanken und natürlich mit den Mitarbeitern und dem Führungsteam von Feeding America getroffen, um die Ausgangssituation zu verstehen", erzählt Byrdak. "Unser Plan war es, eine datenorientierte Organisation zu schaffen, die wirklich etwas bewirken kann. Dazu brauchten wir einen zentralen Ort, um die Daten zu speichern und zu analysieren. Byrdaks Team implementierte daraufhin ein neues CRM-System für das nationale Büro.

Der Algorithmus von MealConnect hilft bei der Optimierung der Transportrouten. Er bringt Spender von Lebensmitteln landesweit mit der nächstgelegenen Lebensmittelbank in Kontakt und bietet den Lebensmittelbanken Produktempfehlungen, damit sie die Lastwägen optimal befüllen können. Die Plattform ermöglicht es den Lebensmittelbanken auch, verfügbare Angebote untereinander auszutauschen. Erreichbar ist die Plattform auch über Mobile Devices.

Die neuen Funktionen von MealConnect für Lebensmittel wurden im August 2021 eingeführt. Im September 2021 hat die Organisation dazu beigetragen, dass über das Netzwerk von Feeding America mehr als 10 Millionen Pfund Obst und Gemüse transportiert wurden - ein Anstieg um 53 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht nach Angaben der Organisation zusätzlichen 1.647.058 Mahlzeiten.

Bessere Daten treiben den Wandel voran

Neben der Verbesserung von MealConnect richteten Byrdak und ihr Team auch ein neues Data Warehouse ein. Es sollte alle ERP-Datenbanken der angeschlossenen Feeding-Amerika-Mitglieder integrieren und somit einen entsprechenden Datenaustausch ermöglichen.

Das Data Warehouse wurde auf der Google Cloud mit Informatica Intelligent Cloud Services für die Datenintegration und Tableau für die Datenausgabe aufgebaut. Das Team von Byrdak hat es mit den ERP-Plattformen der einzelnen Lebensmittelbanken verbunden, um Dashboards zur Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln zu erstellen. Somit hat das nationale Büro von Feeding America einen nahezu Echtzeit-Überblick darüber, wie die Lebensmittel durch das Netzwerk fließen, sowie die Möglichkeit, Trends zu verfolgen und detaillierte Informationen über die Art der verteilten Lebensmittel zu erfassen.

Maryann Byrdak, Chief Information Officer bei Feeding America: "Unser Plan war es, eine datenorientierte Organisation zu sein, die wirklich etwas bewirken kann."
Maryann Byrdak, Chief Information Officer bei Feeding America: "Unser Plan war es, eine datenorientierte Organisation zu sein, die wirklich etwas bewirken kann."
Foto: Feeding America

"Einige Mitglieder nutzen das Programm, um ihre Bestands- und Verteilungsaktivitäten besser zu planen, während andere es nutzen, um ihre Vorstände zu informieren", sagt Byrdak. Die Geschäftsführer von Lebensmittelbanken hätten berichtet, dass ihre Mitarbeiter im Bereich Fundraising in der Lage seien, sich besser mit den operativen Abteilungen zu vernetzen, um mithilfe der Daten mehr Mittel zu beschaffen. Andere hätten festgestellt, dass ihre Führungsteams das Dashboard nutzen, um die jährliche Leistung zu überwachen und die Strategie in Echtzeit anzupassen.

Das neue CRM von Feeding America, das auf Salesforce aufbaut, gibt dem nationalen Büro die Möglichkeit, die Bemühungen besser zu koordinieren und eine strategischere, proaktive Unterstützung zu bieten. Vor der CRM-Implementierung, so Byrdak, seien die Mitarbeiter des nationalen Büros auf persönliche Notizen und Einzelgespräche angewiesen gewesen, um das Netzwerk zu unterstützen.

Das System wurde im Januar 2021 in Betrieb genommen. Seitdem hätten die Mitarbeiter des nationalen Büros berichtet, dass es weniger Zeit in Anspruch nimmt, Anfragen von Lebensmittelbanken zu bearbeiten. "Wir hatten vor kurzem eine Jahreskonferenz mit unseren Lebensmittelbanken, und das Feedback ist großartig. Das Feedback der Mitarbeiter der Lebensmittelbanken, die unsere Dashboards nutzen, lautet, dass sie jetzt in einen Sitzungssaal gehen und ihren Vorstandsmitgliedern Daten zeigen können, die sie vorher nicht hatten." (bw)

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation cio.com