Matthöfer übergibt Siemens-Dopelprozessor am Frankfurter Flughafen:

Mit Alfa kassiert der Zoll bei Cargo

08.09.1978

FRANKFURT - Knapp 20 Millionen Mark ließ sich das Bundesfinanzministerium das zollamtliche "automatisierte Luftfrachtabwicklungsverfahren" (Alfa) für den Flughafen Frankfurt kosten. Nach siebenjähriger Entwicklungszeit sorgen nun die Cargo-Zöllner über 118 Terminals dafür, daß durch den Duplex-Betrieb mit den Siemens 4004/151-Rechnern, dem Datenbank-System Prisma und selbstgestrickter Software, Luftfracht ab Drehkreuz Frankfurt wenn schon "nicht schneller aber qualitativ besser" abgefertigt wird.

Als Bundesfinanzminister Hans Matthöfer Alfa in Betrieb setzte, spuckte ein Spielprogramm die Frage aus "Meinen Sie wirklich, daß sich der Aufwand hier gelohnt hat?" Der Minister tippte "Ja" doch schon vorher hatte sein Ministerialdirektor Hans Hutter erklärt: "Die Kostenfrage spielte nie eine Rolle."

Von vornherein war es darum gegangen, Frankfurts Wettbewerbsfähigkeit", als Frachtumschlagplatz zu erhalten nachdem die EDV in Londons Heathrow (mit "Laces") und auf Charles de Gaulle ("Transac") schon länger schnelle Durchsatzzeiten bringt; es bestand die Gefahr, die internationalen Frächter würden ihre Paletten von Paris aus per Rollgut in die Bundesrepublik bringen.

Ob es künftig allerdings zu dem ideal erscheinenden Verbund zwischen Sollrechner und Frachtern kommt, wird von Fachleuten angezweifelt. Das Zoll Vorhaben zu einer bundesdeutschen Zentrale mit einheitlicher Abrechnung zu kommen und die operativen Aufgaben beim Air Cargo "liefen zu sehr auseinander".

Für die Siemens AG würdigte Dr. Peisl, Vorstand des Unternehmensbereichs Daten- und Informationssysteme, den Alfa-Auftrag als "die Art von Förderung durch öffentliche Auftraggeber, wie sie sich die Industrie wünscht".