KI-Hackathon

Mit AI zur nachhaltigeren Mobilität

28.04.2021
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin von Computerwoche und CIO-Magazin.
Knapp 70 Menschen aus 15 Ländern fanden sich für den Hackathon der Deutschen Telekom virtuell zusammen, um mit maschinellem Lernen nachhaltige Mobilitätslösungen zu entwickeln.
Der internationale Hackathon #AIHack4Mobility fand erstmals virtuell statt. Die Zielsetzung: nachhaltige Mobilitätslösungen zu entwickeln.
Der internationale Hackathon #AIHack4Mobility fand erstmals virtuell statt. Die Zielsetzung: nachhaltige Mobilitätslösungen zu entwickeln.
Foto: Willyam Bradberry - shutterstock.com

Vier Kontinente, unterschiedliche Lebensalter, unterschiedliche Kompetenzen und Berufserfahrungen, so divers zusammengesetzt waren die Teams beim Hackathon der Deutschen Telekom noch nie. Aufgrund der Pandemie fand der "#AIHack4Mobility", der sich über 24 Stunden erstreckte, zum ersten Mal nur virtuell statt, was die große Vielfalt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst ermöglichte.

Teams in verschiedenen Zeitzonen

Svenja Enss-van Gemmern nahm zum zweiten Mal teil: "Im Vergleich zum Hackathon in Präsenz waren Zusammenfinden und Herstellen einer starken Teamdynamik herausfordernder. Manche Teams mussten ja auch unterschiedliche Zeitzonen berücksichtigen." Im Virtuellen konnte ein Kollege aus Sizilien genauso teilnehmen wie ein junges Elternpaar, das sich als Tandem die Aufgaben teilte, also abwechselnd programmierte oder das Baby fütterte.

Svenja Enss-van Gemmern: „In den Teams fanden Menschen mit unterschiedlichen Skills zusammen, nicht jeder muss programmieren können.“
Svenja Enss-van Gemmern: „In den Teams fanden Menschen mit unterschiedlichen Skills zusammen, nicht jeder muss programmieren können.“
Foto: Telekom

Arbeitswelt stellt neue Anforderungen an Mobilität

"Wie wird die Mobilität der Zukunft aussehen und wie kann künstliche Intelligenz helfen, diese Zukunft arbeitnehmerfreundlich zu gestalten?" lautete die Fragestellung der Challenge. Ziel war es, Algorithmen des maschinellen Lernens einzusetzen, um zu verstehen, welche Anforderungen durch die zunehmend dynamische Arbeitswelt an Mobilitätsdienstleister gestellt werden: Welche Bewegungsmuster erzeugen Pendler im Berufsverkehr? Wo gibt es bisher unbekannte Schwachstellen in der Abdeckung des ÖPNVs?

Als Basis erhielten die Teams historische Bewegungsdaten der Stadt Bonn. So breit das Thema, so breit waren Skills, die die Teilnehmer mitbrachten. In den Teams fanden Menschen mit unterschiedlichen Skills zusammen erzählt Enss-van Gemmern. Die Teilnahme an einem Hackathon erfordere nicht - wie viele fälschlicherweise denken - dass man 'hardcore' programmieren können müsse, ganz im Gegenteil: "Es braucht ein diverses Skillset im Team. Ich zum Beispiel bringe insbesondere die Business- und Designer-Perspektive rein und agiere Vermittlerin und Übersetzerin zwischen den Developern, den potenziellen Kunden und den unternehmensseitigen Anforderungen."

Positive Energie in diversen Teams

Schließlich müsse die KI-Lösung am Ende auch entsprechend benutzerfreundlich und für Kunden greifbar sein. Daneben brauche es Leute, die sich mit dem Thema Zukunftsmobilität auskennen, beispielweise, um die zur Verfügung gestellten historischen Bewegungsdaten der Stadt Bonn richtig einzuordnen. Um einen Prototyp zu bauen, seien auch Kompetenzen rund um UX und UI hilfreich.

Die Vielfalt in den Teams empfand auch Michaela Drost, AI Program Co-Lead bei der Deutschen Telekom Services, als bereichernd: "Manche waren Data Scientists, andere Business Experten. Wieder andere "übersetzten zwischen beiden Welten" so wie ich. Das alles sind Aspekte von Diversität, die in Kombination so viel positive Energie freisetzen können."

Michaela Drost: „Als virtuelles Team mussten wir uns erst kennenlernen und selbst unseren Rhythmus für den 24-Stunden-Hackathon finden.“
Michaela Drost: „Als virtuelles Team mussten wir uns erst kennenlernen und selbst unseren Rhythmus für den 24-Stunden-Hackathon finden.“
Foto: Telekom

Drosts Team überlegte sich das Konzept "Beyond Stations", das ohne Haltestellen auskommt. Stattdessen berechnet die App den praktischsten Weg zur Arbeit und nennt unter anderem Punkte, an denen man sich Fahrgemeinschaften anschließen kann. Zur Nutzung soll ein Gamification-Ansatz anregen, so Drost: "Die Nutzer sammeln CO2-Ringe und können damit Freiminuten oder ähnliches gewinnen."

Mit vielen Dailys aus dem kreativen Chaos

Dafür gabs den Publikumspreis. Bis die App präsentiert werden konnte, musste das Team für sich den Rhythmus finden, die Aufgaben in kleinere Arbeitspakete verteilen und sich mehrmals in Dailys absprechen, so Drost: "Am Anfang war das ein kreatives Riesenchaos, jeder der Fünf wollte seine Gedanken einbringen, aber nach und nach entwickelte sich unsere Idee. Es fühlte sich richtig start-up-like an."

Svenja Enss-van Gemmern entwickelte mit ihrem Team ein System, das Telekom-Beschäftigte mit Gutscheinen belohnt, die zu Fuß, mit dem Rad, dem ÖPNV oder mit Fahrgemeinschaften zur Arbeit gelangen. Ziel war es, eine offene Haltung gegenüber nachhaltiger Mobilität zu erzeugen.

Sie ist überzeugt, dass der Hackathon eine Win-Win-Veranstaltung für alle war: "Die Telekom gibt eine reale Challenge vor, kann auf die gesammelte Schwarmintelligenz zurückgreifen und sich mit interessante Themengebieten zu präsentieren. Externe Teilnehmer können das Unternehmen als Arbeitgeber kennenlernen, business-relevante Challenges lösen und ihre Soft- als auch Hardskills, etwa in Sachen IT, stärken."