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Microsofts Herz hängt weiter an DOS

08.04.1999
Open Source bei Windows 2000?

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat endlich auch öffentlich eingestanden, daß die Verschmelzung der bisherigen Betriebssystemlinien Windows 95/98 und NT zu einer gemeinsamen Codebasis weit komplizierter ist als erwartet. Deswegen wird der Softwareriese im Frühjahr 2000 ein neues Endkunden-Betriebssystem auf den Markt bringen, daß erneut auf DOS sowie dem erprobten Kernel von Windows 95/98 basiert. Zuvor soll im Herbst 1999 noch wie geplant die "Windows 98 Second Edition" erscheinen. Entwickler wie Anwender müssen sich also mittelfristig weiterhin mit zwei Systemen abmühen.

Microsoft-Mastermind und -President Steve Ballmer münzte das offensichtliche Eingeständnis des Versagens im Rahmen der Windows Hardware Engineering Conference (WinHEC) in Los Angeles gleich in eine strategischen Initiative namens "Easy PC" um. Gemeinsam mit Wintel-Partner Intel werde Microsoft nach Jahren endlich den benutzerfreundlichen Rechner schaffen. Das vorsintflutliche DOS-System soll dabei komplett vor dem Benutzer versteckt werden, der äußerlich nur mit den unkomplizierten Schnittstellen USB (Universal Serial Bus), IEEE 1394 ("Firewire") sowie Device Bay hantiert. Wie das neue Endkunden-Betriebssystem heißen soll, ist noch unklar - auf jeden Fall soll es gegenüber dem bisherigen Windows 98 jede Menge neuer Features bieten.

Nach Ballmers erster spektakulären Ankündigung ließ dann der für Windows 2000 alias NT 5 zuständige Vice-President Brian Valentine eine weitere folgen, die schon fast als Sensation gelten kann: Microsoft denke ernsthaft darüber nach, den Quellcode des Windows-NT-Kernels unter einer Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen. Allemal ein gewagtes Unterfangen, auch wenn niemand genau weiß, wie viele von den geschätzten 35 bis 40 Millionen Zeilen Quellcode von Windows 2000 tatsächlich auf den Kernel entfallen...