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Microsoft zerrt Google vor den Kadi

20.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Streit mit Google hat Microsoft in dieser Woche eine neues Runde eingeleitet. Nachdem der führende Suchmaschinenbetreiber Microsoft den Computerexperten Kai-Fu Lee abgeworben hat, sieht die Windows-Company ihre Geschäftsgeheimnisse bedroht und reichte am gestrigen Dienstag Klage gegen Lee und Google ein.

Der 43-jährige Spezialist für Spracherkennung und künstliche Intelligenz hatte Ende der 90er Jahre bei Microsoft angeheuert und war bis vor kurzem als Vice President der Microsoft-Abteilung "Natural Interactive Services" tätig. Am Dienstag verkündete Google jedoch in einer Pressemitteilung, dass Lee als Leiter seiner neuen Forschungs- und Entwicklungsabteilung in China anfängt.

Microsoft sieht in Lees Weggang zur Konkurrenz einen klaren Verstoß gegen eine Wettbewerbs- und Verschwiegenheitsklausel in Lees Arbeitsvertrag. Als ehemaliger Senior Vice President verfüge Lee über ein detailliertes Wissen über Microsofts Pläne im Bereich Suchtechnologie sowie über die China-Strategie des Unternehmens, führten die Redmonder in ihrer Klageschrift aus. Dass er nun bei einem direkten Konkurrenten eine Position übernehme, in der er sich mit exakt denselben Techniken und Strategien befasse, sei eine ungeheuerliche Verletzung seiner vertraglich klar ausgeführten Pflichten. Als Konsequenz forderte Microsoft, das Gericht solle über einstweilige Verfügung sicherstellen, dass Google und Lee die Klauseln im Arbeitsvertrag nicht verletzen.

Lees neuer Arbeitgeber bezeichnete die Vorwürfe dagegen als vollkommen haltlos und kündigte an, gegen Microsofts Klage vorzugehen. (mb)