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Microsoft verlässt die UN/Cefact

24.08.2004

Microsoft hat gestern aus "geschäftlichen Gründen" die UN/Cefact (United Nations Center for Trade Facilitation and Electronic Business) verlassen, die Internet-Standards für den elektronischen Handel als Nachfolger von EDI (Electronic Data Interchange) entwickelt. Microsoft gab keine offizielle Stellungnahme zu dem Ausstieg ab. Ein Firmenvertreter erklärte aber, es gehe um "eine Frage von Prioritäten"; der Fokus von UN/Cefact verlagere sich jenseits von Microsofts Expertise.

Konkreter Stein des Anstoßes war offenbar die Frage, wie mit geistigem Eigentum umzugehen sei, das in die geplanten Standards einfließt. In der UN/Cefact geltende Richtlinien sehen vor, dass Hersteller, die Technik beisteuern, die Vereinten Nationen gegenüber eventuellen Forderungen schadlos halten müssen. Damit sind verschiedene amerikanische und europäische Firmen nicht einverstanden. Der Generaljustiziar von SAP etwa habe auf einem UN/Cefact-Treffen im Mai angekündigt, sein Unternehmen werde jegliche Aktivitäten in der Organisation so lange aussetzen, bis dieses Problem gelöst sei, berichtet "Cnet".

Früher in diesem Jahr gab es in der UN/Cefact Streit um den offenen Kommerz-Standard ebXML (Electronic Business Extensible Markup Language). Dieser wird von einigen US-Firmen befürwortet und ist in Europa und Asien bereits recht weit verbreitet, konkurriert aber zumindest in Teilen mit von Microsoft und IBM propagierten Entwürfen. Einige UN/Cefact-Mitglieder beschwerten sich im Februar, Microsoft finanziere die Aktivitäten der Gruppe, um sie dazu zu bewegen, statt ebXML seine Entwicklung zu übernehmen. Der Redmonder Konzern wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, er habe nur einen "bescheidenen" Beitrag zur UN/Cefact-Finanzierung geleistet. (tc)