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Microsoft streicht seine Prognose zusammen

19.04.2002
Trotz 13 Prozent Umsatzplus und 2,74 Milliarden Dollar Nettogewinn im dritten Quartal stapelt Microsoft angesichts anhaltender Investitionsschwäche mit seiner mittelfristigen Prognose tief.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Was Microsoft gestern nach US-Börsenschluss als Bilanz seines dritten Quartals vorlegte, kann sich wieder einmal mehr als sehen lassen: Der Konzern wies einen Nettogewinn von 2,74 Milliarden Dollar oder 49 Cent pro Aktie aus nach 2,45 Milliarden Dollar oder 44 Cent je Anteilschein im Vorjahreszeitraum. Auch der Quartalsumsatz im Jahresvergleich von 6,4 Milliarden Dollar um ansehnliche 13 Prozent auf 7,25 Milliarden Dollar. Der "Office"-Umsatz stieg dabei um lediglich ein Prozent; die Windows-Betriebssystem-Einnahmen legten dank der neuen Version XP um elf Prozent zu.

CFO John Connors: "Unsere Erwartungen für die IT-Ausgaben in Unternehmen sind weiterhin recht bescheiden."

Das aktuelle Nettoergebnis enthält einen außergewöhnlichen Zugewinn von 15 Cent pro Aktie aus dem Verkauf seines Anteils am Online-Reisebüro Expedia. Dieser wurde allerdings durch eine Abschreibung auf das hauseigene Investment-Portfolio (vor allem die Beteiligung an AT&T, das sein Kabelgeschäft an Comcast veräußert hatte) größtenteils neutralisiert. Letztere hatten die Analysten bei ihrer Schätzung von 51 Cent Gewinn pro Aktie nicht mit auf der Rechnung. Die Bruttomarge im dritten Quartal lag mit 81 Prozent über der ursprünglichen Prognose von 78 Prozent.

Angesichts solcher Zahlen stapelte der Redmonder Konzern mit seiner mittelfristigen Prognose dann aber reichlich tief: Für das laufende vierte Quartal erwartet Finanzchef John Connors "nur" 41 bis 42 Cent Gewinn pro Aktie, die Wall Street ging laut First Call/Thomson Financial bislang von 44 Cent Profit je Anteilschein aus. Und im kommenden Geschäftsjahr soll der Gewinn mit 1,89 bis 1,92 Dollar pro Aktie ebenfalls deutlich unter den Erwartungen der Analysten von 2,01 Dollar je Anteilschein liegen.

Connors erklärte, Microsoft rechne mittelfristig mit anhaltend niedrigen IT-Investitionen der Anwenderunternehmen. Die aktuellen Zahlen von Wettbewerben wie IBM oder Sun bezeichnete er als "trostlos", selbst wenn sein eigenes Unternehmen noch besser dastehe. Aufgrund der eher düsteren Prognose fiel der Kurs der Microsoft-Aktie im nachbörslichen Handel auf 54,89 Dollar. Zuvor notierte sie zum Fixing bei 56,37 Dollar.

Von seiner Spielekonsole "Xbox" wird Microsoft nach eigener Einschätzung im laufenden Quartal nur noch 3,5 bis vier Millionen Exemplare verkaufen können. Bisher lautete die Prognose auf 4,5 bis sechs Millionen Geräte. Erst gestern hatte das Unternehmen in Europa, wo die Verkäufe deutlich schleppender anlaufen als in den USA, den Preis des Gerät von 479 auf 299 Euro und damit auf das Niveau des etablierten Konkurrenzprodukts "Playstation 2" von Sony gesenkt.

Immerhin: Im PC-Markt glaubt Vice President und Controller Scott Boggs das Schlimmste überstanden. "Wir sehen endlich die Talsohle und gehen davon aus, dass der PC-Markt in den kommenden sechs Monaten wieder anzieht", erklärte der Manager in einer Telefonkonferenz mit Analysten. CFO (Chief Financial Officer) Connors ergänzte, Microsoft investiere kräftig in seine Vertriebsmannschaft und neue Geschäftsfelder wie Tablet-PCs. Diese Investitionen, die sich im kommenden Geschäftsjahr auf 800 Millionen Dollar summieren könnten, würden zwar kurzfristig den Gewinn schmälern, auf lange Sicht aber mehr Geld in die Kassen spülen. (tc)