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Microsoft profitiert vom starken PC-Geschäft

23.07.2004
Microsoft hat im zweiten Quartal gut 80 Prozent mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Finanzchef Connors zufolge verbuchten alle sieben Geschäftsbereiche ein deutliches Wachstum.

Softwareriese Microsoft konnte auch im vierten Quartal seines Geschäftsjahres 2003/04 (Ende: 30. Juni) aus dem wachsenden PC- und Server-Geschäft ordentlich Kapital schlagen. Wie das Unternehmen am gestrigen Donnerstag nach US-Börsenschluss bekannt gab, kletterten die Einnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 9,29 Milliarden Dollar. Der Nettoprofit stieg um 81 Prozent auf 2,69 Milliarden Dollar oder 25 Cent je Aktie. Sondereffekte wie Aufwendungen für Aktienoptionen und eine Steuergutschrift von zwei Cent pro Anteilschein ausgeklammert, erzielte die Gates-Company ein Plus von 28 Cent pro Anteil. Damit entsprach Microsoft seiner eigenen Prognose, verfehlte jedoch die mittlere Markterwartung um einen Cent. Laut Umfrage von Thomson First Call hatten die Analysten an der Wall Street im Schnitt mit einem Pro-forma-Profit von 29 Cent je Aktie bei neun Milliarden Dollar Umsatz gerechnet.

Für Missmut sorgte zudem der aus Sicht der Börsianer mäßige Ausblick für das angebrochene Geschäftsjahr 2004/05: Microsoft hob zwar seine Umsatzerwartung um 600 Millionen auf 38,4 bis 38,8 Milliarden Dollar an, senkte aber seine Gewinnprognose um fast zehn Cent auf 1,05 bis 1,08 Dollar je Aktie. Der Softwareriese hatte am Dienstag angekündigt, er werde in den nächsten vier Jahren insgesamt 75 Milliarden Dollar an seine Aktionäre verteilen (Computerwoche.de berichtete). Dazu beabsichtigt die Gates-Company im Dezember eine Sonderausschüttung von drei Dollar je Aktie vorzunehmen und die jährliche Dividendenzahlung auf 32 Cent pro Aktie zu verdoppeln. Außerdem plant Microsoft, bis 2008 rund 30 Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien zu investieren. Der Konzern will mit diesen Maßnahmen seinen immensen Barmittelbestand von 60,1 Milliarden

Dollar (Ende Juni) reduzieren. Nebeneffekt ist allerdings ein Rückgang der Zinserträge, der sich negativ auf das Ergebnis auswirken wird.

An Microsofts Leistungen im abgelaufenen Fiskalquartal gibt es indes wenig auszusetzen: Nach Angaben von Finanzchef John Connors verbuchten alle sieben Geschäftsbereiche ein deutliches Wachstum. Während eine Reihe von Softwarefirmen Umsatzeinbrüche beklagten, habe der Konzern weiter zugelegt.

Besonders gut schnitt erneut die Division Information Worker ab, sagte Connors. Die für Microsoft "Office"-Familie zuständige Sparte steigerte ihre Einnahmen gegenüber dem Vorjahrsquartal um 23 Prozent auf 2,88 Milliarden Dollar, der operative Gewinn der Business Unit erhöhte sich um 33 Prozent auf 1,96 Milliarden Dollar. Die für Desktop-Betriebssysteme zuständige Unternehmenseinheit setzte dank der unerwartet starken PC-Nachfrage 2,73 Milliarden Dollar um, 16 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Obwohl neue Releases verschoben werden musste, verzeichnet Microsoft jetzt auch mit dem umstrittenen Lizenzmodell Software Assurance (SA) Erfolge. Die Gates-Company hatte prognostiziert, dass zwischen zehn und 30 Prozent der Kunden, die das Ende Juni ausgelaufene Lizenzierungsprogramm "Upgrade Advantage" (UA) abonniert hatten, zu SA wechseln. Wie CFO Connors berichtete, werde wohl der obere Wert dieser Spanne erreicht.

Die Einnahmen mit Server-Software stiegen um 20 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar – damit verbunden war ein Gewinnsprung um 85 Prozent auf 567 Millionen Dollar. Positiv entwickelte sich zudem der Online-Dienst MSN. Dank hoher Werbeeinnahmen drehte das Betriebsergebnis im Jahresvergleich von minus 83 Millionen auf plus 35 Millionen Dollar, gleichzeitig gelang es dem Bereich, erstmals einen Jahresgewinn auszuweisen.

Die übrigen drei Divisionen schreiben dagegen weiterhin rote Zahlen. In der ERP-Sparte Microsoft Business Solutions (MBS) wurde der Betriebsverlust von 73 Millionen auf 42 Millionen Dollar reduziert, die Einnahmen stiegen um neun Prozent auf 196 Millionen Dollar. Eine positive Entwicklung verzeichnete die Gates-Company auch im Bereich Mobile and Embedded Devices, der sein Minus übers Jahr von 68 Millionen auf 42 Millionen Dollar verringerte. Der Umsatz legte gleichzeitig um 59 Prozent auf 70 Millionen Dollar zu.

Auch in die Xbox-Sparte Home and Entertainment musste im Berichtszeitraum weiter investiert werden, der Betriebsverlust weitete sich von 245 Millionen auf 339 Millionen Dollar aus. Insgesamt wurden hier knapp 500 Millionen Dollar erwirtschaftet, das entspricht einem Plus um drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Bereichschef Robert Bach erklärte, dass die Division in Kürze Profite ausweisen könne, allerdings ginge dies zu Lasten der Kundenwerbung. (mb)