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Microsoft plant Musik-Download-Service

17.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Konkurrent Apple mit seinem iTunes-Dienst bereits erste Erfolge feiert, will auch Microsoft auf dem vermeintlich lukrativen Markt für bezahlten Musik-Downloads nicht fehlen: Eine Sprecherin der Gates-Company bestätigte gegenüber dem "Wall Street Journal", dass Microsoft bereits im kommenden Jahr auf seinem Internet-Portal MSN entsprechende Dienste anbieten werde. Ein genauer Starttermin und andere Details wurden jedoch nicht genannt.

Dem Wirtschaftsblatt zufolge beginnt Microsoft aber bereits damit, Führungskräfte für die Musik-Site zu rekrutieren. So habe die Gates-Company vergangene Woche auf der Unternehmens-Website den Posten eines Marketing-Managers für den geplanten Musikdienst ausgeschrieben. Erste Aufgabe sei die Fertigstellung des Business-Plans für den Microsoft Music Download Service, hieß es in der Job-Beschreibung.

Der Markt für Musik im Internet ist in diesem Jahr deutlich gewachsen, nachdem es den Plattenfirmen offenbar gelang, das Treiben illegaler Musiktauschbörsen mit drastischen Maßnahmen, aber auch tauglichen Bezahlangeboten einzudämmen. Nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Jupiter Research werden allein 2003 in den USA 800 Millionen Dollar oder sieben Prozent der Einnahmen mit Musik im Netz erwirtschaftet. In fünf Jahren sollen es bereits 3,3 Milliarden Dollar oder 26 Prozent des Gesamtvolumens sein. Marktführer ist derzeit Apple, der im April mit iTunes seinen eigenen Musikdienst startete. Bisher wurden nach eigenen Angaben bereits über 17 Millionen Titel für je 99 Cent verkauft.

Unterdessen hat Cnet Networks den Domain- und Markennamen MP3.com von Vivendi Universal für einen nicht genannten Betrag übernommen. Das Musikportal selbst wird sein Angebot zum 2. Dezember einstellen, dabei werden gleichzeitig auch alle Inhalte von den Servern gelöscht sowie alle übersandten Bänder, CDs und anderen Medien zerstört, hieß es in einer Mitteilung auf der Website. Den Musikern empfahlen die neuen Besitzer, sobald wie möglich alternative Vereinbarungen abzuschließen. Cnet will nach dem Relaunch der Website aber nicht mit Apples iTunes oder anderen Music-Download-Diensten konkurrieren, sondern als Informationsdienst für digitale Musik dienen, sagte eine Sprecherin.

Bereits seit 2001, nach der Übernahme durch Vivendi Universal, war MP3.com nur noch ein Schatten seiner selbst: der französisch-amerikanische Medienkonzern entfernte alle Copyright-geschützten Musiktitel von der Website und ersetzte sie durch Stücke von Gruppen und Musikern ohne Plattenvertrag. (mb)