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Microsoft kämpft weiter um die Macht im Internet

26.01.2006
Mit zwei neuen Forschungslabors versucht Microsoft, den Abstand zu Google, Yahoo und Co. nicht größer werden zu lassen.

Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft will zwei neue Forschungszentren einrichten, die sich komplett auf innovative Internet-Techniken konzentrieren sollen. "Live Labs" werde sich mit neuen Ideen im Zusammenhang mit Multimediainhalten, Data Mining und verteiltem Computing auseinandersetzen, hieß es in der Redmonder Firmenzentrale. Das Team von etwa 100 Mitarbeitern soll Gary Flake führen, der im vergangenen Jahr von Yahoo zu Microsoft gewechselt war.

Das zweite Forschungszentrum "Search Labs" soll sich ganz auf neue Suchtechniken konzentrieren. Die Mannschaft unter Ashok Chandra, deren Stärke noch nicht feststeht, wird auf zwei Standorte in der Redmonder Zentrale sowie dem Microsoft-Campus im Silicon Valley verteilt. Chandra hatte zuvor in den Entwicklungsabteilungen von IBM und Verity gearbeitet.

Die Microsoft-Verantwortlichen wollen mit den neuerlichen Anstrengungen den Anschluss im Internet nicht verlieren. Während Google mit zahlreichen neuen Angeboten seine Service-Palette kontinuierlich ausbaut, tut sich der Softwareriese nach wie vor schwer. In Redmond fürchtet man offenbar, Google könnte mit anwendungsnahen Diensten über das Web an den eigenen Geschäftspfeilern rütteln. Um dem entgegenzusteuern, hatte Microsoft im vergangenen November mit seinen "Live"-Services eine eigene Initiative gestartet. Damit sollen Anwendern für Windows und Office via Internet zusätzliche Applikationskomponenten offeriert werden.

Experten vermuten hinter der jüngsten Microsoft-Ankündigung auch einen versteckten Kampf um die besten Köpfe. So unterhält Google in unmittelbarer Nachbarschaft zu Microsoft in Kirkland, Washington, ein eigenes Forschungszentrum. Ende 2005 hatten beide Unternehmen einen monatelangen Rechtsstreit abgeschlossen, in dem es um die Verpflichtung von Kai-Fu Lee ging, der von Microsoft zu Google gewechselt war (siehe auch: Rechtsstreit um Kai-Fu lee ist vom Tisch). Im September kursierten Gerüchte, Microsoft-CEO Steve Ballmer habe vor Wut Stühle geworfen, als ihn sein Top-Manager Marc Lucovsky darüber informierte, er werde bei Google anheuern (siehe auch: Microsoft-Chef Ballmer schmeißt Stühle vor Wut - sagt Google). (ba)