KI-Technik für Azure und Office

Microsoft investiert Milliarden in OpenAI

24.01.2023
Von 
Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Mit einem Milliarden-Investment sichert sich Microsoft wichtige KI-Technik von OpenAI. Diese soll offenbar künftig mit vielen eigenen Softwareprodukten verknüpft werden.
Sam Altman, CEO von OpenAI (links), und Microsoft-CEO Satya Nadella wollen enger zusammenarbeiten. Beide sprechen über die Demokatisierung von KI. Was das genau für die Verteilung der daraus resultierenden Profite bedeutet, dürfte interessant werden zu beobachten.
Sam Altman, CEO von OpenAI (links), und Microsoft-CEO Satya Nadella wollen enger zusammenarbeiten. Beide sprechen über die Demokatisierung von KI. Was das genau für die Verteilung der daraus resultierenden Profite bedeutet, dürfte interessant werden zu beobachten.
Foto: Microsoft

Zuerst waren es nur Gerüchte, jetzt berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg, dass Microsoft tatsächlich in großem Stil bei OpenAI einsteigen will. Der Softwarekonzern wolle zehn Milliarden Dollar in die KI-Schmiede aus San Francisco investieren, heißt es in einem Bericht. Microsoft hatte bereits 2019 eine Milliarde Dollar und in einer zweiten Finanzierungsrunde 2021 angeblich weitere zwei Milliarden Dollar in das 2015 gegründete Startup gesteckt.

Die Verantwortlichen von Microsoft und OpenAI sprachen zwar nicht über die konkrete Summe der Investition, bestätigten aber, dass beide Unternehmen ihre Partnerschaft vertiefen wollen. "Heute kündigen wir die dritte Phase unserer langfristigen Partnerschaft mit OpenAI an", hieß es in einer Mitteilung Microsofts. Dabei handle es sich um eine mehrjährige, milliardenschwere Investition, um KI-Entwicklungen zu beschleunigen.

Supercomputer für OpenAIs KI-Modelle

Konkret kündigte Microsoft an, seine Investitionen in die Entwicklung und den Einsatz von spezialisierten Supercomputing-Systemen erhöhen zu wollen, um die KI-Forschung von OpenAI zu unterstützen. Außerdem soll die KI-Infrastruktur von Microsofts Azure-Cloud ausgebaut werden, um Kunden bei der Entwicklung und Bereitstellung eigener KI-Anwendungen unter die Arme zu greifen.

Was ist ChatGPT?

Microsoft will außerdem die KI-Modelle von OpenAI in seine Consumer- und Unternehmensprodukte einbauen. Damit könnte Software wie beispielsweise Microsofts Office-Tools, das Collaboration-Werkzeug Teams oder die Suchmaschine Bing mit KI-Funktionen aus dem Hause OpenAI ausgestattet werden. Der Konzern spricht in diesem Zusammenhang von einer neuen Kategorie von digitalen Erlebnissen, die auf der Technologie von OpenAI basierten. Beispielsweise soll es der Azure OpenAI Service von Microsoft Entwicklern ermöglichen, KI-Anwendungen durch direkten Zugriff auf OpenAI-Modelle zu erstellen.

Microsoft wird exklusiver Cloud-Partner von OpenAI

Mit dem Investment wollen die Microsoft-Verantwortlichen offenbar ihre Geschäftsbeziehungen mit OpenAI längerfristig absichern. Der Konzern und das Startup haben bereits in der Vergangenheit eng kooperiert. Beispielsweise hat OpenAI seine leistungshungrigen KI-Lösungen wie die Sprachmodelle aus der GPT-Reihe sowie den Bildgenerator DALL-E mit Hilfe von Rechenressourcen aus der Azure-Cloud von Microsoft trainiert. Auch für die Entwicklung der kommenden KI-Modelle wie beispielsweise GPT-4 wird das Startup jede Menge Compute-Power benötigen. Hier steht Microsoft offenbar als exklusiver Cloud-Anbieter bereit. Sämtliche OpenAI-Workloads in den Bereichen Forschung, Produkte und API-Services sollen auf Azure laufen, hieß es.

"Wir haben unsere Partnerschaft mit OpenAI aus dem gemeinsamen Bestreben heraus aufgebaut, die KI-Spitzenforschung verantwortungsvoll voranzutreiben und KI als neue Technologieplattform zu demokratisieren", sagte Satya Nadella, Chairman und CEO von Microsoft. "In dieser nächsten Phase unserer Partnerschaft werden Entwickler und Unternehmen aus allen Branchen mit Azure Zugang zu der besten KI-Infrastruktur, den besten Modellen und der besten Toolchain haben, um ihre Anwendungen zu entwickeln und zu betreiben."

OpenAI pocht auf unabhängige Forschung

"Die vergangenen drei Jahre unserer Partnerschaft waren großartig", blickte Sam Altman, CEO von OpenAI, zurück. Der OpenAI-Mitbegründer verwies zwar darauf, dass man mit Microsoft gemeinsame Werte teile und sich auf die weitere Partnerschaft freue. Im gleichen Atemzug betonte Altman jedoch, "unsere unabhängige Forschung fortzusetzen und an der Entwicklung fortschrittlicher KI zu arbeiten, von der alle profitieren."

Mit dem Investment sichert sich Microsoft wichtiges KI-Know-how im Wettbewerb mit anderen großen KI-Entwicklern wie Alphabet, Amazon und Meta Platforms. Das KI-Modell ChatGPT von OpenAI, das auf einfache, in natürlicher Sprache verfasste Anweisungen hin verschiedenste Inhalte wie Texte oder Softwarecode erstellen kann, sorgt seit Wochen für viel Furore.

Nach Einschätzung von Experten, könnte OpenAI Microsoft im Cloud-Wettbewerb helfen. Die Azure-Nutzung, die durch diesen Deal angekurbelt werde, sei für Microsoft ein wichtiger Faktor, so Anurag Rana, Analyst bei Bloomberg Intelligence. "Dies könnte Microsoft sogar helfen, den Vorsprung von AWS im Cloud-Markt aufzuholen."

Profit oder Non-Profit - das ist hier die Frage

Der Milliarden-Deal dürfte indes eine durchaus komplexe Struktur mit sich bringen. OpenAI wird als eine nur teilweise auf Profit ausgerichtete Organisation von einem Board geleitet, bestehend aus den Mitgliedern Greg Brockman (Chairman & President), Ilya Sutskever (Chief Scientist) und Sam Altman (CEO) sowie den Nicht-Angestellten Adam D'Angelo, Reid Hoffman, Will Hurd, Tasha McCauley, Helen Toner und Shivon Zilis. Zu den Investoren gehören neben Microsoft die Reid Hoffman's Charitable Foundation und Khosla Ventures.

Dem Bloomberg-Bericht zufolge wird Microsoft etwa die Hälfte der Finanzerträge von OpenAI erhalten, allerdings nur bis zu einer bestimmten Obergrenze, hieß es unter Berufung auf an dem Geschäft Beteiligte. Alle Gewinne, die über das hinausgehen, was den Investoren und Mitarbeitern geschuldet wird, sollen demnach an OpenAI zurückfließen.

An der Organisationsstruktur und Ausrichtung von OpenAI dürfte sich vorerst nichts verändern. Um sicherzustellen, dass fortschrittliche KI der gesamten Menschheit zugutekommt, bleibe OpenAI ein begrenzt gewinnorientiertes Unternehmen (capped-profit) und werde weiter von der OpenAI Non-Profit-Organisation verwaltet, hieß es in einer Mitteilung der KI-Schmiede. "Diese Struktur ermöglicht es uns, das Kapital zu beschaffen, das wir benötigen, um unsere Mission zu erfüllen, ohne unsere Kernüberzeugungen zu opfern, was eine breite Verteilung von KI-Vorteilen und die Notwendigkeit, Sicherheit zu priorisieren, betrifft."