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Microsoft gibt sich offener

28.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft macht seinen Ankündigungen wahr, weitere bisher undokumentierte Windows-Programmier-Schnittstellen (APIs) zu veröffentlichen (Computerwoche online berichtete). Am 6. August hatte das Unternehmen 113 Protokolle für die Kommunikation zwischen Windows-Desktop und -Server offengelegt, deren Nutzung allerdings lizenzpflichtig ist. Jetzt folgt auf Microsofts Entwickler-Website Microsoft Developer Network (MSDN) die Offenlegung einer Liste mit 272 Application Programming Interfaces, die frei zugänglich sind. Komfortabel nutzbar werden die Schnittstellen allerdings erst nach der in Kürze bevorstehenden Veröffentlichung des „Windows XP Service Pack 1“. Denn danach will Microsoft ein Software-Development-Kit

(SDK) herausgeben, mit dem man die bisher unbekannten APIs ansprechen kann. Microsoft entspricht mit der Veröffentlichung Auflagen aus einem Abkommen mit dem US-Justizministerium und einigen Bundesstaaten zur Beilegung des schwebenden Monopolverfahrens.

Um ein negatives Urteil und weitere mögliche Verfahren seitens der EU zu vermeiden, zeigt sich Microsoft demonstrativ um die Respektierung der Privatspäre seiner Kunden bemüht. Besonders der Windows Media Player 9 war heftig kritisiert worden, weil Informationen über seine Anwender meist ohne deren Wissen Microsoft und anderen Unternehmen zugeflossen wären (Computerwoche online berichtete). Mit einer jetzt vorgestellten Betaversion scheint der Redmonder Konzern Konsequenzen gezogen zu haben. Beim ersten Start des Systems erscheint ein Fenster, in dem der Anwender zunächst unter mehreren Punkten bestimmen muss, welche Informationen er freigeben und welche Services er nutzen möchte. Im Gegensatz zu einer vorherigen Betaversion sind diesmal alle Default-Settings auf „off“ gestellt, so dass auch leichtfertige Nutzer keine Nachteile erfahren dürften.

(ls)