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Microsoft erlässt Ex-COO Belluzzo 15 Millionen Dollar Schulden

09.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Softwareriese Microsoft hat seinem ehemaligen COO (Chief Operating Officer) und President Rick Belluzzo ein großzügiges Abschiedsgeschenk gemacht: Wie aus dem Jahresbericht der Redmonder an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, wurde dem Topmanager die Rückzahlung von Firmenkrediten in Höhe von 15 Millionen Dollar erlassen. Belluzzo hatte das Darlehen vor zweieinhalb Jahren - kurz nach seinem Eintritt bei Microsoft - aufgenommen. Als der jetzige Quantum-Chef das Unternehmen Anfang April verließ (Computerwoche online berichtete) entschied Microsoft, ihm die Schulden zu erlassen. Im Gegenzug verzichtete Belluzzo auf die Einlösung von 3,5 Millionen Aktienoptionen, die er im vorletzten Jahr erhalten hatte. Diese sind aufgrund der jetzigen Börsenbaisse zwar momentan wertlos. Nach

Ansicht der Gates-Company entspricht das Darlehen über 15 Millionen Dollar aber in etwa dem Mindestprofit bei einer späteren Inanspruchnahme der Optionsscheine. Allerdings muss Belluzzi die 15 Millionen Dollar wie normales Einkommen versteuern. Zusätzlich erhielt der Ex-President eine Prämie in Höhe von 350.000 Dollar für seine Arbeit im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/2002, sein normales Gehalt wurde Belluzzi noch bis Ende August ausgezahlt.

Nach zahlreichen Finanzskandalen à la Enron und Worldcom ist es mit dem Inkrafttreten des Sarbanes-Oxley-Acts inzwischen verboten, dass Firmen ihren Führungskräften Kredite geben. Das sieht außerdem vor, dass die Vorstände von Unternehmen mit mehr als 1,2 Milliarden Dollar Jahresumsatz ihre Bilanzen persönlich beeiden (Computerwoche online berichtete). Eine Microsoft-Sprecherin erklärte, das Darlehen sei damals notwendig gewesen, um den Spitzenmanager für das Unternehmen zu gewinnen. Bei seinem Amtsantritt im September 1999 hatte Belluzzi neben dem Kredit eine Einstiegsprämie in Höhe von 4,2 Millionen Dollar erhalten. (mb)