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Microsoft: Das Netzwerk ist der Computer!?

14.09.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat gestern in San Franzisko eine neue Zukunftsstrategie vorgestellt, die den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens auch in der Post-PC-Ära sicherstellen soll. Verblüffenderweise ähneln die Erkenntnisse der Gates-Company sehr dem angestammten Firmenmotto des Erzrivalen Sun Microsystems, "Das Netz ist der Computer".

Für Microsoft, dessen aktuelles und äußerst profitables Geschäftsmodell derzeit vor allem auf Einnahmen aus dem Geschäft mit Betriebssystemen und der Bürosuite "Office" fußt, rückt nämlich künftig das Internet und nicht mehr der einzelne PC in den Mittelpunkt des Interesses. Folglich soll das so erfolgreiche Windows, unter dem derzeit geschätzte 90 Prozent aller PCs weltweit laufen, auf das "Netz der Netze" ausgeweitet werden und Grundstein neuer Web-basierender Anwendungen und E-Commerce-Dienste werden. Dieser Strategie hat die Gates-Company den Namen "Windows DNA 2000" verpaßt. Ihr mißt man nach eigenen Aussagen ebenso große Bedeutung zu wie der im Dezember 1995 offiziell proklamierten Eroberung des Internet. Seinerzeit drohte vor allem der enorme Erfolg von Netscape, das profitable Geschäft der Redmonder zu ruinieren.

Produktseitig schlägt sich Windows DNA 2000 zum einen in den neuen "Megaservices" nieder. Damit will Microsoft seinen Entwicklern die Arbeit vereinfachen. Sie sollen sich bestimmte Anwendungskomponenten künftig einfach von der MSN-Site herunterladen können. Das Angebot wird unter anderem das neue Authentifizierungs- und Zahlungswerkzeug "Passport", das "Link-Exchange"-System zum Austausch von Werbe-Bannern, die von "Hotmail" bekannten Mail- und Instant-Messaging-Funktionen sowie den aus Windows 98 bekannten Mechanismus für Software-Updates via Web umfassen.

Zum anderen sollen eine intensive Nutzung der Auszeichnungssprache XML (Extensible Markup Language) in allen Bereichen sowie neue Versionen der hauseigenen Entwicklungswerkzeuge für eine umfassende Verbreitung des neuen Konzepts sorgen. "Über kurz oder lang werden wir daraus eine wirklich neue Plattform schaffen", hofft der für die Zusammenarbeit mit Entwicklern zuständige Vice-President Paul Maritz.