Ballmers CES-Keynote

Microsoft-Chef stößt mit neuem Tablet-PC auf Skepsis

08.01.2010
Während alle Welt auf das Apple-Tablet iSlate wartete, hat Microsoft-Chef Steve Ballmer auf der CES einen eigenen Tablet-Rechner präsentiert. Kein Meisterstück, so der Tenor der Beobachter.

Die Erwartungen an Microsoft-Chef Steve Ballmer waren groß - und wurden enttäuscht. Vor Ballmers Rede zum Auftakt der Elektronikmesse CES in Las Vegas sah es so aus, als wollte der Software-Gigant zusammen mit dem weltgrößten PC-Hersteller Hewlett-Packard den Rivalen Apple übertrumpfen und als Erster einen neuartigen Tablet-Computer vorstellen. Doch nach Einschätzung der meisten Branchenexperten griff der von Ballmer gezeigte Kompaktcomputer "Slate" zu kurz.

Der neue Tablet-PC Slate von Microsoft und HP - frontal ...
Der neue Tablet-PC Slate von Microsoft und HP - frontal ...

"Eigentlich hat Ballmer nur einen kleinen PC gezeigt, der mit Windows 7 läuft", sagte Analyst Michael Gartenberg. "So etwas hatten wir schon einmal - und niemand hat die Dinger gekauft." Gartenberg spielte damit auf den kommerziellen Misserfolg der Ultra Mobile PCs (UMPCs) an, die vor vier Jahren auf der CES präsentiert worden waren. Wenig beeindruckt zeigten sich viele Beobachter auch von den demonstrierten Anwendungen. Der Microsoft-Chef hatte lediglich vorgeführt, wie man auf dem Gerät ein E-Book lesen und ein Video abspielen kann.

Darum soll es auch bei dem für Ende Januar erwarteten Apple-Gerät gehen, doch im Gegensatz zu Ballmers "Slate" wird der Apfel-Rechner als Heilsbringer unter anderem für die Medienbranche gehandelt. Diverse US-Magazine demonstrierten bereits, wie sie sich schicke digitale Ausgaben für mobile Geräte vorstellen, mit denen sie die schwindenden Print-Umsätze aufbessern wollen.

... und schräg von vorne.
... und schräg von vorne.

Tablet-Computer - mobile Geräte, bei denen alle Eingaben hauptsächlich oder ausschließlich über einen berührungsempfindlichen Bildschirm erledigt werden - sind an sich nicht neu. Microsoft und seine Partner versuchen schon seit Jahren, sie auf dem Markt zu etablieren. Das blieb bisher erfolglos: Zu hoch war der Aufpreis, zu langsam die Internetverbindungen, zu kurz die Akku-Laufzeit und zu gering der zusätzliche Nutzen.

Doch jetzt ist die Technik reif. Und es gibt immer mehr digitale Inhalte für mobile Geräte - ob Filme, Bücher oder Zeitungsartikel. Die Zeit für eine neue Geräteklasse ist gekommen. Und Apple wird in der Pole-Position gesehen, allein schon weil der US-Konzern bereits mit dem iPod-Player den Musikmarkt und mit dem iPhone die Mobilfunk-Industrie umgekrempelt hat. Zudem verfügt Apple mit dem iTunes Store über ein auf Hochtouren laufendes Verkaufs- und Abrechnungssystem.

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