Autobiografie verrät

Microsoft-Chef Nadella war gegen Nokia-Mobile-Kauf

Panagiotis Kolokythas arbeitet seit Juni 2000 für pcwelt.de. Seine Leidenschaft gilt IT-News, die er möglichst schnell und gründlich recherchiert an die Leser weitergeben möchte. Er hat den Überblick über die Entwicklungen in den wichtigsten Tech-Bereichen, entsprechend vielfältig ist das Themenspektrum seiner Artikel: Windows, Soft- und Freeware, Hardware, Smartphones, soziale Netzwerke, Web-Technologien, Smart Home, Gadgets, Drohnen… Er steht regelmäßig für PCWELT.tv vor der Kamera und hat ein eigenes wöchentliches IT-News-Videoformat: Tech-Up Weekly.
In seinem neuen Buch erklärt der Microsoft-Chef Satya Nadella, dass er seinerzeit gegen die Übernahme von Nokia Mobile war. Und erklärt die Gründe.

Wäre Satya Nadella bereits im Jahr 2013 der Chef von Microsoft gewesen, hätte die Übernahme der Mobiltelefon-Sparte von Nokia durch Microsoft wohl niemals stattgefunden. Doch seinerzeit war Steve Ballmer der Chef und es kam bekanntermaßen anders. In der neuen Autobiographie „Hit Refresh“ von Satya Nadella blickt der Microsoft-Chef auch auf die Nokia-Übernahme zurück und erklärt, wie es dazu kam.

Hit Refresh ist die neue Autobiographie von Satya Nadella.
Hit Refresh ist die neue Autobiographie von Satya Nadella.
Foto: Microsoft

Nadella gehörte damals der Microsoft-Führungsriege an. Seinem Buch zufolge, war Steve Ballmer damals nicht sicher, ob Microsoft die Übernahme durchführen sollte und ließ seine Führungsriege abstimmen. „Ich stimmte mit nein“, schreibt Nadella. Und fügt hinzu: „Ich habe nicht verstanden, warum die Welt ein drittes Ökosystem bei Telefonen benötigt, wenn wir vorher nicht die Regeln ändern. Aber es war zu spät den Boden wieder gutzumachen, den wir verloren hatten.“

Der damalige Microsoft-Chef Ballmer entschied sich dann doch für die Übernahme von Nokia Mobile, die Microsoft immerhin etwa 4 Milliarden Euro kostete. Die Nokia-Übernahme, so Nadella im Buch, sei ein „schmerzhaftes Beispiel für die Niederlage“ im Mobile-Bereich. Microsoft sei verzweifelt gewesen in dem Bereich aufzuholen, nachdem das Unternehmen den Aufstieg der Mobile-Technologie verpasst hat. „Nokia fiel von Markt-Führer auf dem Mobile-Bereich auf Platz 3 zurück“, so Nadella. Die Hoffnung sei es gewesen, mit vereinten Kräften der Windows-Phone-Plattform ein Wachstum zu verschaffen. „Die Vereinigung hätte der große, dramatische Schritt sein können, den Windows braucht, um gegenüber iOS und Android aufzuholen“, so Nadella. Die Hoffnungen teilte Nadella allerdings nicht und deshalb sei er gegen die Übernahme gewesen. Seiner Meinung nach machte es für Microsoft nur Sinn auf dem Mobile-Markt aktiv zu bleiben, wenn man etwas anbieten hätte können, was sich von dem Angebot der führenden Konkurrenten abhebe.

Im Jahr 2014 übernahm dann Satya Nadella das Ruder bei Microsoft und gab die neue Devise heraus: Microsoft-Dienste müssen für alle Plattformen verfügbar sein. Bereits wenige Monate später wurden über 18.000 Mitarbeiter entlassen, darunter über 12.500 Mitarbeiter aus den Bereichen, die Microsoft von Nokia übernommen hatte. Im Jahr darauf wurden dann die über 7,5 Milliarden US-Dollar, die die Übernahme kostete, abgeschrieben. (PC-Welt)