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Microsoft: C# und Visual Basic gehen unterschiedliche Wege

23.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft wird, nachdem die erste Version seiner Entwicklungsumgebung "Visual Studio.Net" Ende des Jahres fertig gestellt ist, einen Drahtseilakt wagen und mit seinen Programmiersprachen C# (sprich: See sharp) und Visual Basic unterschiedliche Wege einschlagen. Brian Harry, Produkt-Manager des CLR-Bereich (Common Language Runtime), erklärte gegenüber "Computerwire": "Visual Basic wird stärker in Richtung RAD (Rapid Application Development) gehen, C# ist für die komplexeren Dinge." Wie genau VB an RAD-Umgebungen angepasst werden soll, verriet Harry allerdings nicht. C# jedenfalls wird sukzessive mit zusätzlichen Features ausgestattet, die auf die einfachere Entwicklung von Web-Services abzielen, und damit vermutlich noch enger als bisher an künftige Versionen von Sun Microsystems´ Java heranrücken.

Microsoft steht vor der schwierigen Aufgabe, seine dreimillionenköpfige Visual-Basic-Entwicklergemeinde bei der Stange zu halten und diese langsam und allmählich an C# und Web-Services heranzuführen. Bei einigen eigentlich geplanten Syntaxänderungen, die VB konsistenter mit C++ und Java gemacht hätten, hat der Hersteller deswegen bereits einen Rückzieher gemacht. Microsoft fürchtet offenbar, das die VB-Developer die Sprache nicht zur Entwicklung von Web-Services nutzen oder - noch schlimmer - auf Java umsteigen könnten. Laut Evans Data werden im kommenden Jahr erstmals mehr US-Entwickler Java nutzen als C++ oder Visual Basic. 60 Prozent der Developer wollen demnach ganz oder teilweise in Java programmieren.