Unified Communications

"Microsoft bringt frischen Wind in die TK-Branche"

06.08.2008
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Exchange im Unified-Communication-Umfeld

Serafin: Prinzipiell benötigt der Anwender nicht beide Plattformen gleichzeitig, sondern kann sie autark einsetzen. Exchange ist dabei ein Kalender-, E-Mail- und Voice-Mail-System. Oder anders formuliert, es fungiert als eine Unified-Messaging-Plattform. Da die meisten heute erhältlichen TK-Anlagen ein API zu Exchange besitzen, kann die Plattform quasi als eine Art Anrufbeantwortersystem verwendet werden. Der OCS selbst kann ebenfalls für unterschiedlichste Szenarien genutzt werden. Beispielsweise dient er schlicht und einfach nur als Server für ein Corporate-Instant-Messaging-System. Oder er übernimmt die Aufgaben eines Konferenzsystems. Dabei ist es egal, ob es sich um Web Conferencing, Audio- oder Videokonferenzen handelt. Gleichzeitig kann er die Funktionen einer Call-Management-Plattform erfüllen, über die der Endbenutzer etwa via PC telefoniert. Oder Sie bringen alle diese Funktionen zusammen, und wir sprechen von Unified Communications.

CW: Und wie erleichtert dies den Arbeitsalltag?

Serafin: In der Praxis könnte das dann so aussehen, dass mir ein Kollege eine E-Mail schickt. Wenn ich ihm nun antworten will, sehe ich etwa im Präsenz-Manager, dass er auch telefonisch erreichbar ist. Ich kann ihn also direkt anrufen, so dass wir das Problem ohne langen E-Mail-Austausch diskutieren können. Letztlich ergänzt der OCS das Active Directory um Präsenzinformationen. Auf diese Weise profitiert jede Applikation, die mit dem Active Directory arbeitet, von den Informationen und gewinnt an Kommunikationsfähigkeiten.

CW: Also muss ein Unternehmen für den OCS das Active Directory verwenden?

Serafin: Ja, der OCS setzt das Active Directory zwingend voraus - aber das ist kein Problem. Weltweit verwenden bereits 75 Prozent aller Unternehmen intern das Active Directory. Und 50 Prozent nutzen es standortübergreifend im Corporate Network.

CW: Sie betonen die Rolle des Active Directory. Die Internet Community präferiert aber ENUM als globales Kommunikations-Directory.

Serafin: ENUM ist nicht unbedingt ein Dienst, der auf breiter Front standardisiert und akzeptiert werden wird. In meinen Augen befindet sich ENUM noch im experimentellen Stadium. Um mit großen öffentlichen Netzen zu kommunizieren, setzen wir auch auf SIP. Auf diese Weise stehen uns Funktionen aus dem Corporate Network auch in Consumer-Netzen wie AOL, Yahoo und Windows Live Messenger zur Verfügung. Wenn also meine Frau beispielsweise ein Handy mit dem Windows Live Mesenger benutzt, dann kann sie genau sehen, wann ich an meinem Arbeitsplatz bin und ob ich telefoniere. Das funktioniert, weil wir eine Interoperabilität zwischen dem OCS und dem Windows-Live-Messenger-Netz haben. Die Technik dahinter bezeichnen wir als Federation. Dabei werden User Identities aus der Corporate- und Consumer-Welt zusammengeführt. Dies ist nicht nur in Business-zu-Consumer-Szenarien möglich, sondern auch in der B-to-B-Kommunikation. Mit Hilfe der Directory-Federation können IT-Abteilungen ein System mit der Plattform eines anderen Unternehmens föderieren. Auf diese Weise können die Mitarbeiter beider Unternehmen gegenseitig auf die jeweiligen Präsenzinformationen zugreifen.

CW: Läuft die Informationsübermittlung an Carrier wie Mobilfunkbetreiber ebenfalls per Federation?

VoIP per Directory-Federation

Serafin: Nein, im Gegensatz zur B-to-B-Kommunikation erfolgt hier die Übermittlung per SIP. Hierfür benötigt der Provider einen Proxy-Server als Bindeglied zwischen seinen User-Informationen und denen aus einem Unternehmen.

CW. Sie sprachen bereits öfters die Endgeräte an. Braucht der Anwender für die UC-Funktionen unbedingt ein Windows-Mobile-Device, oder genügt ein normales Handy?