Unified Communications

"Microsoft bringt frischen Wind in die TK-Branche"

06.08.2008
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Cisco ist ein großer Konkurrent

Serafin: SIP kann in unseren Augen ein gemeinsamer Nenner sein. Allerdings ist zu definieren, für welche Art von Kommunikation. Wir begannen mit SIP beim Instant Messaging und unterbreiteten dann der Internet Engineering Task Force (IETF) Erweiterungsvorschläge. Auf der anderen Seite waren wir überzeugt, dass SIP ein Standard ist, um mit Systemen anderer Hersteller zu kommunizieren. Wir waren 2003/2004 eines der ersten Unternehmen, das eine SIP-Interoperabilität in Sachen Videoconferencing ankündigte. Hier arbeiten wir mit Firmen wie Polycom, Tandberg oder Redvision zusammen. 2004 kündigten wir die SIP-Interoperabilität zu TK-Anlagen an, so dass die Anwender per SIP die Anrufsteuerung mittels Drittherstellern bewältigen können. SIP hat letztlich die Rolle eines Basis-Layers für Funktionen wie Call Management oder Call Control.

CW: Sie betonen, wie wichtig die Interoperabilität ist. Hapert es hier nicht gewaltig im Verhältnis mit Cisco?

Serafin: Cisco ist ganz klar ein großer Konkurrent für Microsoft. Aber Cisco hat einen sehr netzwerkzentrierten Blick auf die Kommunikation, während wir das Thema mehr durch die Softwarebrille betrachten. Letztlich sind wir davon überzeugt, dass mittels Software mehr Innovationen zu realisieren sind und der Anwender höhere Produktivitätsgewinne erzielt. Aber wir müssen auch die Unternehmen berücksichtigen, die in beide Welten investiert haben. Deshalb bekennen sich Cisco und Microsoft dazu, eine grundsätzliche Interoperabilität zu gewährleisten. Also dass etwa ein Cisco Call Manager mit einem Office Communications Server oder einem Exchange Server kommunizieren kann. Es gibt viele Gebiete, wo wir in Sachen Interoperabilität zusammenarbeiten, um den Anwendern zu helfen, die in Produkte von Cisco und Microsoft investiert haben. Cisco ist jedoch nicht der einzige Anbieter von Kommunikationsprodukten. In Großunternehmen finden Sie TK-Anlagen von rund 20 unterschiedlichen Herstellern. Und die Anwender erwarten von uns, dass unsere Produkte auch mit dem Equipment der anderen 19 Anbieter interoperabel sind - und nicht nur mit Cisco.

Der Wunsch nach Interoperabilität

CW: Verstehen wir Sie richtig, dass Microsoft also grundsätzlich eine Interopabilität der Basisfunktionen gewährleistet und der Rest davon anhängt, in welchem Verhältnis der Konzern zum jeweiligen Hersteller steht?

Für Microsoft-Manager Serafin sind in Sachen Interoperabilität nicht die APIs das Probleme, sondern räumliche Gestaltungsvorschriften, wie sie etwa für Ciscos TelePresence gelten.
Für Microsoft-Manager Serafin sind in Sachen Interoperabilität nicht die APIs das Probleme, sondern räumliche Gestaltungsvorschriften, wie sie etwa für Ciscos TelePresence gelten.
Foto: Cisco

Serafin: Nein, so können Sie das nicht sehen. Zu unserer Strategie gehört es, Dritten eine volle Interoperabilität mit dem Office Communication Server zu ermöglichen. Allerdings kann es sein, dass ein Anbieter nicht die volle Interoperabilität bietet, weil er der Meinung ist, die User nutzen besser seine spezifischen Produkt-Features. Oder technische Vorgaben verhindern eine Kompatibilität. Wie wollen Sie ein Videokonferenzsystem wie Ciscos Telepresence mit Produkten von Tandberg oder Polycom zusammenschalten? Auf der API-Ebene ist das kein Problem, aber für das ultimative Konferenzerlebnis schreiben die Hersteller spezielle Wandfarben vor oder spezifizieren die Art der Beleuchtung. In solchen Bereichen werden wir uns in Sachen Interoperabilität gedulden müssen, denn kaum ein Anwender dürfte Qualitätsabstriche in Kauf nehmen. Deshalb ist bei der Interoperabilitätsfrage immer zu berücksichtigen, ob komplexe Systeme zusammengeschaltet werden oder es beispielsweise um den einfachen Austausch von Präsenzinformationen geht.

CW: Kommen wir zu Ihrem Produktportfolio. Welche Rolle spielt eigentlich ein Exchange Server im Vergleich zum OCS?