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Microsoft-Blackout, die Zweite

26.01.2001
Nach dem angeblich hausgemachten Server-Ausfall am Mittwoch ging Microsofts Web-Pannenserie gestern weiter. Diesmal sollen DoS-Hacker Schuld sein.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsofts Internet-Debakel setzte sich gestern beinahe nahtlos fort: Erneut waren viele Sites des Konzerns schwer bis gar nicht zu erreichen. In einer neuen Stellungnahme erklärte das Unternehmen, diesmal seien nicht hausinterne technische Pannen, sondern DoS-Attacken (Denial-of-Service) von externen Hackern Schuld. Die Angriffe richteten sich gegen die Router, die Netzanfragen an die Microsoft-Webserver weiterleiten. Verwundern dürfte dies eigentlich niemanden, waren doch gestern auf jeder zweiten Nachrichten-Site die IP-Adressen der vier DNS-Server (Domain Name System) des Konzerns zu lesen.

Microsoft legt großen Wert auf die Tatsache, dass beide Ausfälle nichts miteinander zu tun hätten. "Dass dies an zwei aufeinander folgenden Tagen passiert ist, ist reiner Zufall", erklärte ein Unternehmenssprecher. Es sei bedauerlich, dass Einzelpersonen oder Gruppen sich derartig illegal betätigten. Man habe in der Sache das FBI eingeschaltet, das bereits ermittle.

Microsoft hatte gestern eine erste Erklärung zum praktisch ganztätigen Ausfall fast aller Webserver des Konzerns am Mittwoch veröffentlicht. Darin hieß es, die DNS-Server (Domain Name System) des Konzerns seien durch eine von einem Techniker versehentlich vorgenommene Fehlkonfiguration praktisch vom Netz abgetrennt worden. Der Ausfall sei also durch menschliches Versagen, nicht aber Fehler in eigenen oder fremden Produkten oder gar einen Hackerangriff entstanden. Natürlich entschuldigte sich Microsoft auch artig für "jede Unannehmlichkeit, die Kunden dadurch entstanden ist".

Angesichts der Pannenserie haben zahlreiche namhafte Sicherheitsexperten das Netzdesign der Redmonder scharf kritisiert. Alle vier DNS-Server in einem Subnetz unterzubringen (was zumindest die IP-Adressen der Microsoftschen DNS-Maschinen vermuten lassen), sei ausgesprochen riskant und mache das System unnötig angreifbar. "Das ist, als würde man das gesamte Top-Management in einen Flieger setzen", kommentierte ein Experte.

Das Timing für den Ausfall könnte jedenfalls kaum schlechter gewählt sein, hat der Konzern doch just in dieser Woche eine massive Marketing-Kampagne losgetreten, in der er sich als Lieferant von "Software for the agile Business" präsentiert (Computerwoche online berichtete). CEO Steve Ballmer hatte in diesem Zusammenhang erklärt: "Unternehmen müssen heute schnell, wendig und ansprechbar sein, um im Wettbewerb zu bestehen und den Anforderungen ihrer Kunden zu entsprechen. Die meiste Technik ist aber noch immer groß, langsam und teuer".