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Microsoft bittet um Aufschub für EU-Kartellauflagen

24.01.2006
Im EU-Kartellverfahren hat Microsoft die Europäische Kommission um eine Fristverlängerung für die Offenlegung von Windows-Prokollen gebeten.

Das bestätigte Jonathan Todd, Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Microsoft reagiert damit auf ein Ultimatum der Behörde. Sie hatte den Softwarekonzern aufgefordert, bis Mittwoch Schnittstelleninformationen für Windows-Betriebssysteme samt hinreichender Dokumentation offen zu legen. Andernfalls droht sie ein Bußgeld von zwei Millionen Euro pro Tag an (siehe Update: EU mit Geduld am Ende - Microsoft droht tägliches Millionen-Bußgeld).

Wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht hatte die EU-Kommission Microsoft im März 2004 zu einem Bußgeld von 497 Millionen Euro verurteilt und mehrere Sanktionen verhängt. Der Hersteller muss in Europa eine Windows-Version ohne integrierten "Media Player" anbieten und Windows-Schnittstellen für Konkurrenten im Markt für Workgroup-Server zu fairen Bedingungen offen legen (siehe: Monti fällt hartes Urteil gegen Microsoft).

An letzterem Punkt setzt die Kritik der Wettbewerbshüter an. Die Dokumentation der Windows-Protokolle sei völlig unzureichend und für Entwickler, die damit arbeiten wollten, nicht zu gebrauchen, konstatierte ein unabhängiger Sachverständiger Ende vergangenen Jahres.

Ob die Kartellwächter Microsoft den Aufschub gewähren, ist derzeit noch offen, so der EU-Sprecher gestern. Karen Williams, die als Hearing Officer der Kommission nicht direkt in das Verfahren eingebunden ist, werde vor Ablauf der Frist darüber entscheiden. (wh)