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Microsoft attackiert die EU-Kommission

16.02.2006
Microsoft hat die EU-Kommission harsch kritisiert. Den Vorwürfen zufolge behandeln die Wettbewerber Microsoft unfair und verweigern dem Beklagten das Recht, sich angemessen zu verteidigen.

Das weltgrößte Softwarehaus hielt sich an die Deadline der EU-Kommission, die von der Software-Company eine Reaktion bis zum gestrigen Mittwoch verlangt hatte. Dem Unternehmen droht eine Strafe bis zu 2,4 Millionen Dollar täglich, wenn es seine Wettbewerber nicht ausreichend mit technischen Dokumentationen über Windows-Schnittstellen versorgt (siehe "EU mit Geduld am Ende").

Microsoft beklagte sich vergangene Woche darüber, dass seine Rechte von der Kommission "mit Füßen getreten" würden, da eine zweite Verlängerung des Ultimatums abgelehnt worden sei. Das Unternehmen hatte Ende Januar angekündigt, Teile des Windows-Source-Codes gegen eine Lizenzgebühr offen zu legen (siehe: "Microsoft öffnet Windows-Quellcode auf Druck der EU-Kommission"). Doch die Wettbewerbshüter halten diese Form der Dokumentation für nicht ausreichend und sehen sich darin durch die Meinung eines Gutachters bestätigt (siehe: "EU beurteilt Quellcode-Angebot zurückhaltend").

Es gebe keine praktikablen Instruktionen für Wettbewerber, um mit Microsoft-Produkten voll kompatible Software für die Windows-Welt zu entwickeln. Schon im März 2004 hatte die Kommission eine Strafe in Höhe von 497 Millionen Euro gegen Microsoft verhängt und angeordnet, dass der Softwarekonzern sein Geschäftsgebaren in mehreren Punkten ändern müsse. Unter anderem verlangten die Kartellwächter, Microsoft müsse den Rivalen Zugang zu Softwareprotokollen geben, damit diese ihre Produkte für Windows-Server zur Verfügung stellen können.

Das Unternehmen hatte Einspruch eingelegt, doch im Dezember 2004 verfügte die EU-Kommission, die Gates-Company müsse sich an die Auflagen halten. Als dies aus Sicht der Kartellbehörden nicht passierte, verloren die Eurokraten im Dezember 2005 die Geduld und kündigten die tägliche Strafe an.

Microsoft beschwert sich nun vor allem über die angeblich zu kurzen Reaktionszeiten, die dem Softwarehaus seitens der EU-Kommission eingeräumt würden. Außerdem sei nicht klar, warum die Dokumentationen abgelehnt worden seien. Die Kommission habe sich nicht ausreichend damit beschäftigt. Um den eigenen Standpunkt zu unterstreichen, verlässt sich Microsoft auf die Gutachten zweier Experten, die dem Unternehmen bestätigen, "dass die offen gelegten Informationen zur Interoperabilität die derzeitigen Standards der Branche erfüllen".

Strittig ist außerdem, ob und wie viel Softwarehäuser an Microsoft zahlen müssen, um Einblick in den Code zu bekommen und welche Rechte Open-Source-Firmen bei der Weitervermarktung von Software haben, für deren Entwicklung auf Microsoft-Code zugegriffen wurde.