Cloud Computing

Cloud Computing gehört zu den wichtigsten Trends in der Unternehmens-IT. Die Idee: IT-Ressourcen werden über das Internet oder Intranet bedarfsgerecht - idealerweise über ein Self-Service-Portal - bereitgestellt und nach dem tatsächlichen Verbrauch abgerechnet. Die Protagonisten des Cloud-Konzepts versprechen mehr Flexibilität, nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit und niedrigere Kosten.

Taktikwechsel

Masterplan oder Chaos-Strategie bei VMware?

Maximilian Hille ist Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Cloud Computing, Social Collaboration und Mobile Innovations.
Für VMware war die Distanzierung vom Public Cloud-Markt zugunsten einer Hybrid-Cloud-Strategie sowie eine stärkere Bündelung der End User- und Workspace-Aktivitäten ein notwendiger Schritt. Doch was kommt danach?

Die letzten Monate waren vermutlich ziemlich aufregend für VMware. Die Übernahme des Mutterkonzerns durch Dell, eine Reihe neuer Partnerschaften und Strategien, das Besetzen neuer Wachstumsfelder und das Tagesgeschäft steht ebenfalls noch auf dem Programm. Daraus kann man folgende Thesen ziehen:

VMwares Weg in die Zukunft.
VMwares Weg in die Zukunft.
Foto: VMware
  • VMware hat in den letzten Monaten einige fundamentale Strategie-Entscheidungen getroffen bzw. treffen müssen.

  • VMware fährt häufig die "Me-too-Strategie" und besetzt nur erschlossene Technologie-Felder. Das muss nicht immer ein Nachteil für die Zukunft sein.

  • Gemeinsam mit seinen Partnern wird VMware ein wichtiger Technologie-Anbieter für Hybrid Cloud-Architekturen, digitale Arbeitsplätze und das Internet of Things bleiben.

Doch zurecht kommt die Frage auf, wo VMware derzeit eigentlich steht. Denn es wirkt häufig so, als wäre man bei VMware ständig auf Trab, um die nächste Etappe des Strategiewandels nicht zu verpassen. Als Pacemaker und aktiver Gestalter tritt VMware nur noch selten auf. Rund um das eigene Kerngeschäft versucht sich der Virtualisierungsspezialist immer wieder mit neuen Strategien, wo andere Marktbegleiter schon seit längerer Zeit aktiv sind. Mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Nichtsdestotrotz lohnt es sich in jedem Fall, die Entwicklung von VMware einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn nach wie vor hat VMware dank des eigenen Technologie-Stacks und des noch immer breiten Portfolios alle Trümpfe in der Hand, um den Unternehmen auch langfristig in den wichtigsten Technologie- und Wachstumsfeldern zur Seite zu stehen.

Das ist insbesondere dann wichtig, wenn die wirtschaftlich positive Situation aus dem Vorjahr weiter bestätigt werden soll. Trotz der Entlassungen aufgrund des Dell-EMC-Deals war 2016 erneut ein gutes Jahr für VMware, was sich nicht zuletzt auch in den Zahlen (Q4 2016: 1.9 Mrd. US-Dollar Umsatz, 565 Mio. US-Dollar Gewinn) widergespiegelt hat.

Über den Public Cloud-Umweg zum etwas anderen Service Provider?

Dass die vCloud Air als Public Cloud-Versuch von VMware nicht wirklich von Erfolg gekrönt werden sollte, war spätestens seit dem Announcement zur Einstellung aller Investments eigentlich klar. Dennoch hat sich VMware Zeit gelassen und erst vor kurzem mit dem Partner OVH einen geeigneten Käufer gefunden, der die Infrastruktur weiter betreibt und mit einer ganz eigenen Kundenklientel das Cloud-Angebot zur Verfügung stellt.

Unabhängig davon, dass der "nächste Schritt", wie VMware ihn nannte, für die vCloud Air vermutlich zu spät kam, bestätigt es VMwares Ambitionen, Technologien und Services rund um die Public Cloud anbieten zu wollen.

Das eigene Technologie- und Software-Portfolio passt wunderbar in die hybriden Cloud-Architekturen, die sich zukünftig wohl mehrheitlich herausbilden werden. Erst in dieser Woche hat VMware mit Wavefront eine neue Cloud Monitoring-Lösung akquiriert, die von ehemaligen Google-Mitarbeitern gegründet wurde. Alles zusammen macht VMware potentiell auch zum Managed Public bzw. Hybrid Cloud Provider, der einen Großteil relevanter Technologien gleich selbst mitbringt. Für die Umsetzung solch komplexer Szenarien, insbesondere im Verbund mehrerer Public Cloud-Infrastrukturen, ist aber ein Partner mit Enterprise- und Cloud-Know-how vermutlich die beste Wahl.

Die VMware Cross-Cloud-Architekur beinhaltet die Private-, Hybrid- und Public- Cloud.
Die VMware Cross-Cloud-Architekur beinhaltet die Private-, Hybrid- und Public- Cloud.
Foto: VMware

ByeBye AirWatch - "Workspace ONE" gibt es jetzt wirklich

Ein weiterer Schauplatz der neuen Strategie ist im Umfeld des Enduser Computing rund um "mobile" Arbeitsplätze bei VMware zu finden. Mit Workspace ONE und AirWatch ist VMware im Bereich Endpoint Management gleich mit zwei Lösungen unterwegs gewesen. Die Abgrenzung fiel nicht immer leicht, überschneiden sich die Angebote doch zum Teil sehr.

Nach eigenen Angaben galt AirWatch lange Zeit als Marktführer im Bereich von EMM. Hier spielten die Enterprise Kontakte von VMware stets eine wichtige Rolle, die aus der stets konkurrenzfähigen, aber selten disruptiven Lösung, einen Marktführer machen konnten.

Dennoch war VMware, unabhängig des Produktes, auch hier nicht immer der Innovationsführer. Das hat sich zum einen darin geäußert, dass zwar die wesentlichen Komponenten und Lösungen meist vorhanden waren, aber selten echte Neuerungen von AirWatch getrieben waren. Böse Zungen könnten behaupten, VMware war immer schnell im Umsetzen der Ideen anderer.

Recht ähnlich verhält es sich auch bei der neuen Strategie und dem neuen Packaging der gesamten End User-, Mobility- und Workplace-Lösungen. Durch die immer stärker steigende Nutzung und Nutzungsintensität mobiler Endgeräte im Business-Alltag, sind auch die Anforderungen an ganzheitliche Management- und Productivity-Plattformen schnell gestiegen.

Ein einfaches MDM mit Lizenzmanagement und Fernzugriff auf Smartphones ist schon längere Zeit kein Unterscheidungsmerkmal mehr. Integrationsmöglichkeiten und eine gute User- und Admin Experience ohne Medienbrüche entscheiden im Umfeld von Mobility- und Workplace-Entscheidungen.

Es ist daher nur folgerichtig, dass auch VMware künftig AirWatch nur noch als Produkt, nicht aber als eigenständige Marke überleben lässt.

Im Einklang mit der neuen Unified Endpoint Management-Strategie wachsen die VMware-Produkte noch enger zusammen und können auch hinsichtlich Angebot, Integration und Provisionierung leicht in die Unternehmen gelangen.

Der Zusammenschluss aus Collaboration, Desktop-Virtualisierung, Management und Productivity in einer offenen Architektur ist die neue Leitlinie, die eine richtige Reaktion auf die Anforderungen der Nutzer, aber auch auf die neuen Strategien der Mitarbeiter zu sein scheint.

Das neue alte VMware - Hybrid Cloud, Digital Workplaces und morgen IoT?

Der Abschied von unprofitablen und gescheiterten Produkten, mehr strategische Partnerschaften und eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft des Anbieters - irgendwie kommt einem diese Story doch auch bekannt vor?

Marktbegleiter Citrix ist einen ganz ähnlichen Weg gegangen und hat sich teilweise seiner Lasten entledigt und macht mit alten und neuen Freunden im Markt eine gute Figur bei der Fokussierung auf das eigene Kerngeschäft.

VMware besetzt mit seiner zukünftigen Strategie nicht die gleichen Märkte und Technologiefelder. Dennoch kann es sich auszahlen, erneut eher die abwartende Rolle gespielt zu haben und jetzt mit aller Macht die gefragten und vielversprechenden Produkte weiter voranzutreiben.

Eine Innovationsmaschine, die laufend neue Trends und Technologien für eine breite Masse prägt, wird VMware vermutlich nicht mehr werden. Aber das muss für die meisten Unternehmen auch gar nicht der Fall sein. Ein Portfolio mit erprobten Lösungen, ein hohes Service Niveau und vor allem ein stabiler Betrieb der gesamten Architektur-Landschaft sind mitunter wichtiger als laufend neue Lösungen und Produkte. So lange die Release- und Reaktionsgeschwindigkeit passt, steht einer erfolgreichen Enterprise-Strategie auch in Zukunft nichts im Wege.

Und VMware hat das nächste Wachstumsfeld bereits ausgemacht. Als Partner u.a. von Bosch wird VMware zukünftig zum Mit-Ausrüster von IoT-Landschaften. Vom industriellen Bereich bis in alle Geschäftsbereiche großer Unternehmen türmen sich derzeit die Einsatzszenarien. Gerade in der jetzigen Phase, wo flächendeckend Infrastruktur, Netzwerk und Enablement-Lösungen nachgefragt werden, ist der Einstieg günstig. Auch im Umfeld des Endpoint Management kann VMware hier nach Vorbild von beispielsweise MobileIron aktiv werden. Das Marktpotential ist grenzenlos, es gilt auch hier die richtigen Nischen rechtzeitig zu besitzen.

Mit Bosch an seiner Seite und Auftritten auf der Connected World und im Rahmen der Hannover Messe ist die Marschroute in Richtung der neuen industriell geprägten IT für VMware offenbar klar. (hal)