Compaq spricht Gewinnwarnung aus

Marktumfeld erschwert Fusion von HP und Compaq

12.10.2001
MÜNCHEN (CW) - Die Chefin von Hewlett-Packard (HP), Carleton Fiorina, kämpft weiter mit dem Rücken zur Wand, um der Öffentlichkeit die Fusion von HP und Compaq als sinnvoll zu verkaufen. Derweil reißen die Negativmeldungen im Zuge des Zusammenschlusses aber nicht ab: Jetzt musste Compaq wieder eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal bekannt geben.

Aus dem ursprünglich für das dritte Vierteljahr erhofften Gewinn von sieben bis neun Cent pro Aktie wird nach Informationen von Compaq nichts. Vielmehr gehen die Oberen um Chief Executive Officer (CEO) Michael Capellas jetzt von einem zu erwartenden Verlust in Höhe von fünf Cent für das Ende September abgelaufene Quartal aus. Der Umsatz wird nach diesen Informationen nicht mehr acht bis 8,4 Milliarden Dollar betragen, sondern nur mehr zwischen 7,4 und 7,5 Milliarden Dollar pendeln. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Compaq noch 11,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Im zweiten Quartal dieses Jahres lag der Umsatz um zwölf Prozent höher als im dritten.

Den neuerlichen Einbruch erklärte das Management zum einen mit einem Taifun, der auf Taiwan gewütet hatte und Zulieferer der Texaner in Schwierigkeiten brachte. Die gesamte Logistikkette sei zudem nach den Terroranschlägen auf New York und Washington mehr oder weniger zusammengebrochen. Compaq bezieht 75 Prozent seiner Komponenten aus dem Ausland. Das Unternehmen erwirtschaftet außerdem nach den Worten von Finanzvorstand Jeff Clarke die Hälfte des gesamten Umsatzes des dritten Quartals im Monat September. Wegen der ohnehin lahmenden Nachfrage und der schwachen Konjunktur hätten die beiden Katastrophen Compaq besonders hart getroffen.

Derweil bestätigte HP in einem Pflichtschreiben an die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC), dass es beim angekündigten Stellenabbau von zehn Prozent oder 15000 Mitarbeitern der vereinten rund 145000 Köpfe starken Belegschaft des fusionierten Unternehmens bleiben werde. Fiorina trat damit Informationen entgegen, nach der Fusion würden sehr viel mehr Angestellte der beiden Unternehmen entlassen.

In einer Mitteilung an die eigenen Mitarbeiter gab HP auf einer seiner Intranet-Seiten bekannt, dass es allerdings vor der Fusion zu weiteren Stellenstreichungen kommen könne, die über die bisher für dieses Jahr angekündigten Entlassungen von rund 9000 Mitarbeitern hinausgingen. Etwas umständlich formulierte das Unternehmen: "In der Phase von jetzt bis zum Abschluss (der Fusion, d.Red.) wird HP Entscheidungen treffen, die weitere Kündigungen in bestimmten Unternehmensbereichen betreffen könnten."

Ein Firmensprecher von HP beugte zudem weiteren Hiobsbotschaften vor: Man werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Prognosen für das laufende Quartal nicht ändern und auch keine vorläufigen Zahlen nennen. Ein Kommentar von HP-Chefin Fiorina, das Geschäft des Konzerns habe sich verlangsamt, sei nicht als Gewinnwarnung für das vierte Quartal (Ende: 31. Oktober) zu verstehen. Trotzdem ist nach der Gewinnwarnung von Sun Microsystems (siehe Seite 4) in Analystenkreisen Zweifel aufgekommen, ob HP seine angestrebten Ziele erreichen wird.